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	<title>The Simple Art of Murder</title>
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		<title>Edgar Wallace</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Feb 2012 09:38:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jay</dc:creator>
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<p><em>Trying to assess Wallace’s work in literary terms would be as pointless as applying sculptural evaluation to a load of gravel</em>, hat <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Colin_Watson_(writer)">Colin Watson</a> in seinem Buch <em>Snobbery with Violence</em> über Edgar Wallace geschrieben. Ein klein wenig fies ist das schon. Was hätte Wallace über die Romane seines Kollegen Watson gesagt? Ein klein wenig interessanter als <em>a load of gravel</em> ist Edgar Wallace doch. Immerhin hat kein Geringerer als George Orwell über ihn gesagt: <em>It would be interesting and I believe valuable to work out the underlying beliefs and general imaginative background of a writer like Edgar Wallace</em>. Orwell schrieb das in einem Brief an <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Geoffrey_Gorer">Geoffrey Gorer</a> und fügte dem Satz noch hinzu:<em>But of course that&#8217;s the kind of thing nobody will ever print</em>. Doch das Genre, das soviel Ideologie transportieren kann, hat ihn nicht losgelassen, wenig später schrieb er seinen berühmten Essay ➱<em><a href="http://www.george-orwell.org/Raffles_and_Miss_Blandish/0.html">Raffles and Miss Blandish</a></em>. In dem Edgar Wallace natürlich nicht fehlen durfte.</p>
<p>Edgar Wallace ist heute vor achtzig Jahren in Beverley Hills gestorben. Er war in Hollywood gewesen, weil er an dem Drehbuch von <em><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/King_Kong">King Kong</a></em>gearbeitet hatte. Obgleich das endgültige Drehbuch nicht sein Werk war, wird sein Name im Titel des Films genannt. Sein Leichnam wurde auf dem Luxusliner <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Imperator_(1913)">Berengaria</a> </em>nach England gebracht. Sein Sarg war in einem Salon aufgestellt, mit dem Union Jack, Blumen und Kränzen geschmückt. Als die <em>Berengaria</em> in Southampton einlief, hatte sie ihre Flagge auf Halbmast. Es war, als wäre ein König in seine Heimat zurückgekommen. Und ein König des Kriminalromans war er zu seinen Lebzeiten gewesen.</p>
<p><em>There is no end to any story, but here I will make the end of mine; for an autobiography should conclude at some decent interval from to-day. I shall be broke again and rich again; but broke or rich, I shall, if the Lord keeps me in good health, be grateful and happy for every new experience, for every novel aspect which the slow-moving circle of life presents to me. I have made many big friends and provoked a few little enmities, which will clear up someday. And I am here! Newspaper-boy, cabin-boy, soldier, journalist, writer&#8211;what next? Whatever it is, I&#8217;ll bet it is interesting</em>, hat er in seiner Autobiographie <em>Edgar Wallace by Himself</em> geschrieben. Deren Erscheinen im Jahre 1932 er nicht mehr erlebt hat.</p>
<div><a href="http://www.edgarwallace.org/Edgar%20wallace_WEB.jpg"><img src="http://www.edgarwallace.org/Edgar%20wallace_WEB.jpg" alt="" width="200" height="197" border="0" /></a></div>
<p><em>Newspaper-boy, cabin-boy, soldier, journalist, writer</em>: das umreißt sein Leben. Eine einzige Horatio Alger Story, <em>from rags to riches</em>. Die Geschichte seines Lebens hat manche Parallelen mit dem Leben von Dickens. Allerdings hinterließ der bei seinem Tod mehr Geld als Wallace, der Multimillionär Edgar Wallace war pleite. Wenige Jahre nach seinem Tod erschien das erste Buch über ihn, <em>Edgar Wallace: The Biography of a Phenomenon</em>. Geschrieben von ➱<a href="http://www.independent.co.uk/news/people/obituary-margaret-lane-1394635.html">Margaret Lane</a>, die später den <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Francis_Hastings,_16th_Earl_of_Huntingdon">Earl of Huntingdon</a> heiratete. Zuvor war sie mit Bryan Wallace, dem Sohn von Edgar Wallace verheiratet gewesen. Graham Greene, der Wallace einmal als eine <em>lebende Buchfabrik</em> bezeichnet hatte, schrieb damals staunend über das Buch von Margaret Lane: <em>has there ever before been so literate a biography of a writer so completely outside the world of serious letters? </em>Es bleibt bis heute ein wichtiges Buch, man kann es antiquarisch noch sehr billig finden.</p>
<div><a href="http://www.kinokunst.de/FBooks_d/Citadel/G10216_DieEdgarWallaceFilme.jpg"><img src="http://www.kinokunst.de/FBooks_d/Citadel/G10216_DieEdgarWallaceFilme.jpg" alt="" width="150" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Wir kennen Edgar Wallace in Deutschland ja meistens nur durch die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Edgar-Wallace-Filme">Edgar Wallace Filme</a>, die mit den Romanen häufig wenig zu tun haben. Über die schreibe ich gerne ein anderes Mal, ich bleibe heute einmal bei den Romanen. Die bei uns ja meist in der Version des Goldmann Verlags verbreitet sind, diese roten Cover hat sicherlich jeder schon einmal gesehen. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der einen Edgar Wallace auf Englisch las. Nicht dass ich behaupten wollte, dass es große Literatur sei, aber wenn man sich ernsthaft mit Wallace beschäftigen wollte, sollte man ihn schon im Original lesen (auf dieser ➱<a href="http://www.gutenberg.org/browse/authors/w#a999">Seite</a> gibt es eine ganze Menge Wallace). Die deutschen Übersetzungen sind ein trauriges Kapitel. Wilhelm Goldmann hat nie vernünftige Honorare an seine Übersetzer bezahlt, ich kann das so apodiktisch sagen, weil ich Leute kenne, die früher mal für Goldmann übersetzt habe (und weil ich Wilhelm Goldmann einmal kennengelernt habe).</p>
<div><a href="http://phantasienreisen.files.wordpress.com/2011/06/der-hexer.jpg"><img src="http://phantasienreisen.files.wordpress.com/2011/06/der-hexer.jpg?w=200&#038;h=200" alt="" width="200" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Die ersten Übersetzungen der Romane von Wallace sind schon sehr alt, weil Wallace schon seit den zwanziger Jahren ein Goldmann Autor ist. Der junge Verleger Wilhelm Goldmann war von den Afrika-Erzählungen wie <em>Sanders of the River</em> begeistert, die er 1925 herausbrachte. Die Krimis folgten wenig später. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Goldmann viele Romane neu übersetzen oder bearbeiten lassen, Ende der sechziger Jahre gab es einen Schub von Neuübersetzungen. Da enthielten die Romane dann auch zum ersten Mal die Namen der Übersetzer, wie Gregor Müller oder Tony Westermayr (der auch Dick Francis und manche <em>Star Wars</em> Romane übersetzt hatte). Gleichzeitig scheinen aber bei Billiganbietern alte Lizenzausgaben mit immer wieder nachgedruckten Druckfehlern aus der Vorkriegszeit im Handel zu sein.</p>
<div><a href="http://www.nzz.ch/images/hellmut_lange_edgar_wallace_fullSize_1.9203743.1295873190.jpg"><img src="http://www.nzz.ch/images/hellmut_lange_edgar_wallace_fullSize_1.9203743.1295873190.jpg" alt="" width="200" height="148" border="0" /></a></div>
<p>Was Edgar Wallace schreibt, ist zweifellos <em>formula fiction</em>, aber er hat seine eigene Erfolgsformel. Eine spannende Handlung, in die eine Vielzahl von verwirrenden Nebenhandlungen eingebaut sind: <em>Inside the frame of the principal mystery, minor mysteries, slighty overlapping are started like harses and pursued for a short distance, each new problem being set immediately before the solution of its predecessor</em>. Häufig verliert man als Leser den Überblick über die Personen. Der Autor auch, das kommt davon, wenn man einen Roman an einem Wochenende schreibt.</p>
<div><a href="http://www.randomhouse.de/goldmann/images/goldmann_wallace_london.jpg"><img src="http://www.randomhouse.de/goldmann/images/goldmann_wallace_london.jpg" alt="" width="146" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Eine der Neuerungen von Wallace für den englischen Kriminalroman ist die Einführung eines <em>love interest</em>, etwas, was der &#8220;reine&#8221; Detektivroman im <em>Golden Age of the Detective Novel</em> der zwanziger Jahre zu vermeiden versuchte. Der war inzwischen nicht mehr so ein schöner viktorianischer Gesellschaftsroman wie Wilkie Collins&#8217; <em>The Moonstone</em>, sondern war zu einer etwas blutleeren Form eines Kreuzworträtsels in Romanform verkommen. Es ist vielleicht kein Zufall, dass das Kreuzworträtsel in der gleichen Zeit entsteht, in der die<em>orthodox detective novel</em> ihren Höhepunkt hat.</p>
<p>Bei Edgar Wallace lernt der Held (meist ein Beamter im Dienst ihrer Majestät, kaum jemals ein Privatdetektiv) schon am Anfang eine stereotyp schöne junge Frau kennen: <em>A beautiful girl, sometimes of independent means, more usually a secretary, who always in the course of the story turns out to be deeply though innocently involved in a financial plot and therefore the object of the villain&#8217;s machinations. She is always partly responsible for the solving of the mystery, and rarely escapes being locked in an attic or a dungeon with a homicidal monster</em>. Knapper als Margaret Lane das hier tut, kann man die Rolle der Heldin nicht beschreiben. Wenn eine Sekretärin am Ende des Romans eine Millionenerbin ist, wird das die weibliche Leserschaft von Edgar Wallace in den finanziell unsicheren zwanziger Jahren sicher getröstet haben.</p>
<p>Es verfehlt seine Wirkung offensichtlich nicht. So nannte der ansonsten immer kritische <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Willy_Haas">Willy Haas</a> in der <em>Literarischen Welt</em> 1929 Wallace zwar <em>einen sich selbst vernichtenden Kolportageschmierer und skrupellosen Geldjäger &#8211; aber eben doch ein mythisches Genie, das buchstäblich nur stundenweise zu sich selbst kam und zu seinem Genie</em>, bekannte aber gleichzeitig, dass er die Romane <em>mit der Autosuggestion lese, es handle sich um Parodien. Dennoch, wenn ich einmal drin stecke, kann ich nicht mehr aufhören. Von wie tief muss eine Wirkung kommen, die sogar ungefährdet die Schwelle der unfreiwilligen Lächerlichkeit überschreitet?</em></p>
<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2012/02/corpsepackshisbags.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2012/02/corpsepackshisbags.jpg?w=144&#038;h=200" alt="" width="144" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Ich lasse das mal so stehen, ich könnte jetzt tagelang weiter schreiben. Aber das lasse ich lieber, sonst werde ich noch wie Edgar Wallace. Und Willy Haas hat natürlich Recht. Ich habe mir, bevor ich dies hier schrieb, einige Edgar Wallace Romane aus einem Bücherschrank genommen. Und was ist passiert? Ohne es wirklich zu wollen, habe ich ratzfatz zwei Stück gelesen. Als ich noch studierte, fuhr ich an einem Tag der Woche immer in der Straßenbahn, in dem der Professor für Archäologie saß, dessen Vorlesung ich wenig später hören würde. Er sah ein wenig aus wie Richard Wagner, weil er ein schwarzes Barrett und einen weitwehenden Mantel trug. Er nutzte die letzten Semester vor seiner Emeritierung dazu, mit seinen wissenschaftlichen Feinden in seiner Vorlesung öffentlich abzurechnen. Die Vorlesungen gingen immer über <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rotfigurige_Vasenmalerei">rotfigurige attische Tonvasen</a>, über die habe ich in mehreren Semestern erstaunlich viel nutzloses Wissen angesammelt. Und was las der Fachmann für rotfigurige attische Tonvasen in der Straßenbahn? Ich traute damals meinen Augen kaum: jeder Woche Edgar Wallace! Diese billigen roten Goldmann Paperbacks. Damals fand ich das furchtbar daneben, aber inzwischen glaube ich mit Willy Haas, dass Edgar Wallace ein Geheimtipp für Connoisseurs ist.</p>
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		<title>Waltz into Darkness</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Dec 2011 08:07:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jay</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Ende gehen die beiden in eine Schneelandschaft (was natürlich ein Zitat von La Grande Illusion ist). Wälder, Berge, viel Schnee. Und wenn sie ganz klein in der Schneelandschaft geworden sind und es immer stärker schneit, erscheint auf der Leinwand blutrot das Wort ➱FIN. Was wird aus ihnen werden? Angefangen hatte es im hellen Sonnenlicht auf der Insel [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=killerintherain.wordpress.com&amp;blog=23277434&amp;post=148&amp;subd=killerintherain&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
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<p>Am Ende gehen die beiden in eine Schneelandschaft (was natürlich ein Zitat von <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_gro%C3%9Fe_Illusion">La Grande Illusion</a></em> ist). Wälder, Berge, viel Schnee. Und wenn sie ganz klein in der Schneelandschaft geworden sind und es immer stärker schneit, erscheint auf der Leinwand blutrot das Wort ➱<a href="http://www.youtube.com/watch?v=uJvD2kS0pdc">FIN</a>. Was wird aus ihnen werden? Angefangen hatte es im hellen Sonnenlicht auf der Insel ➱<a href="http://www.youtube.com/watch?v=TlOrRLH-AzY">Réunion</a>. Da stand sie plötzlich mit ihrem Vogelkäfig in der Hand, seine <em>mail order bride</em> auf die er gewartet hatte. Sie sah so ganz anders aus als die Julie Roussel auf dem Photo, das die ihm geschickt hatte. Sie sieht aus wie Catherine Deneuve. Weil diese Marion, die vorgibt, Julie zu sein, natürlich Catherine Deneuve ist. Die Julie auf dem Photo hat sie umgebracht. Weil sie den reichen Zigarettenfabrikanten Louis Mahé haben will, den Jean Paul Belmondo spielt.</p>
<div><a href="http://image.toutlecine.com/photos/s/i/r/sirene-du-mississippi-69-10-g.jpg"><img src="http://image.toutlecine.com/photos/s/i/r/sirene-du-mississippi-69-10-g.jpg" alt="" width="200" height="143" border="0" /></a></div>
<p>Jean Paul Belmondo ist natürlich den ganzen Film über elegant gekleidet (hier trägt Belmondo nur Belmondo) &#8211; bei Catherine Deneuve setzen wir das mal voraus, darüber brauchen wir nicht zu reden. Wenn Sie es genau wissen wollen: alle Kleider von Catherine Deneuve sind von Yves Saint-Laurent. Ob ihre weiße Unterwäsche, die Belmondo in der 37. Minute des Films zerreißt und im Kamin verbrennt (als er erkennt, dass die Betrügerin mit seinem Geld abgehauen ist) auch von YSL ist, weiß ich leider nicht.</p>
<p>Der Schneider von Belmondo, der in diesem Film nicht erwähnt wird, heißt Francesco Smalto. Er hat sich gerade in Paris selbstständig gemacht. Da ist es natürlich von Vorteil, wenn in allen Belmondo Filmen auf der Leinwand zu lesen ist, dass die Klamotten von Monsieur Belmondo von Francesco Smalto sind (<em>Jean Paul Belmondo est habillé par Francesco Smalto</em>). Wahrscheinlich brauchte Belmondo die dann nicht zu bezahlen. <em>Manus manum lavat</em>. Schon Balzac hat seinen Pariser Schneider, den berühmten ➱<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Jakob_Staub">Johann Jakob Staub</a> nicht bezahlt. Ihn aber als <em>le tailleur le plus célèbre de cette époque</em> in seine Romane hineingeschrieben.</p>
<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/12/11795405_gal.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/12/11795405_gal.jpg?w=200&#038;h=200" alt="" width="200" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Francesco Smalto wurde 1930 in Reggio Calabria geboren, er hat in Turin das Handwerk gelernt und mit 21 Jahren hospitierte er bei Christiani. Das war 1951 ja die feinste Adresse von Paris. Der amerikanische Schriftsteller <a href="http://www.vanityfair.com/culture/features/2007/08/talese200708">Gay Talese</a> hat sich bei Cristiani seine Anzüge machen lassen. Er bekam da Hausrabatt, weil sein Vater, ein Cousin von Antonio Cristiani, dort einmal gearbeitet hatte. Talese hat seinem Vater im Januarheft des amerikanischen <em><a href="http://www.gq-magazine.co.uk/style/articles/2011-06/01/gq-personal-style-gay-talese-author-books-frank-sinatra-suits-fashion">GQ</a> </em>ein schönes kleines Denkmal gesetzt. In dem Artikel erfährt man auch sehr viel über die Geschichte von Cristiani in Paris. Natürlich kommt die Geschichte auch in seinem autobiographischen Buch <em>Unto his Sons </em>vor, da gibt es aber nicht wie im <em>GQ</em> die sepiagetönten Bilder aus dem Familienalbum.</p>
<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/12/img-max-osterweis-2_152800977174_article_singleimage.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/12/img-max-osterweis-2_152800977174_article_singleimage.jpg?w=200&#038;h=158" alt="" width="200" height="158" border="0" /></a></div>
<p>Die Pariser Schneider sind bei uns in Deutschland ja nicht so bekannt geworden wie ihre englischen Kollegen aus der Savile Row. Was man in Deutschland an französischen Namen kannte, waren <em>Prêt-à-porter</em> Lizenzprodukte, die wenig mit den großen Namen zu tun hatten: Yves Saint Laurent (Bäumler), Daniel Hechter (Miltenberger Kleiderwerke Otto Aulbach) und Pierre Cardin (Schildt). Nach seinem Gastspiel bei Christiani ist Smalto sechs Jahre bei José Camps gewesen (heute ➱<a href="http://www.campsdeluca.com/english/camps-de-luca-history.htm">Camps de Luca</a>) - was auch eine sehr feine Adresse ist &#8211; bevor er sich 1962 als Herrenschneider selbstständig machte. Und Belmondo als Kunden gewann. Es ist für eine Firma immer gut, wenn sie Jean Paul Belmondo als Kunden hat. Der Start der Firma ➱<a href="http://www.seraphin-france.com/">Seraphin</a> war auch deshalb erfolgreich, weil Belmondo da gleich ein halbes Dutzend Lederjacken kaufte. Seit 1967 gab es bei Smalto auch eine Konfektionslinie, die in Italien von der Firma ➱<a href="http://www.nervesa.eu/">Nervesa</a> hergestellt wurde. Die stellten damals auch die Anzüge für Nina Ricci her und hatten in den letzten fünfzig Jahren (es gibt die von Giuliano Caponi gegründete Firma Nervesa genau so lange wie die Firma ➱<a href="http://www.smalto.com/en/universsmalto">Francesco Smalto</a>) noch eine Reihe von Lizenzen: Aquascutum, Daks, Cifonelli, Borsalino, YSL (nicht das billige Zeug bei C&amp;A), Lancetti und André Laurent. Und es gab auch noch eine Linie, die nach dem Firmengründer Giuliano Caponi hieß. Ich weiß nicht so genau, wie die Firma Nervesa heute dasteht, weil sie in der Vergangenheit eine Vielzahl ihrer Lizenzen verloren haben, aber ich weiß, dass ich mal ein Jackett und einen dunkelgrauen Flanellanzug von der Firma besessen habe. Das war erstklassiges Zeug.</p>
<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/12/18982676-r_760_x-f_jpg-q_x-20080905_054025.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/12/18982676-r_760_x-f_jpg-q_x-20080905_054025.jpg?w=200&#038;h=133" alt="" width="200" height="133" border="0" /></a></div>
<p>Der gute Ruf von Francesco Smalto hat ein wenig gelitten, als er 1995 vor Gericht zugeben musste, dass seine Schneider afrikanische Diktatoren nicht nur mit Anzügen aus dem Hause Smalto versorgten, sondern gleich auch noch Pariser Nutten mitbrachten. In einigen afrikanischen Staaten wurde während des Prozesses der Verkauf französischer Zeitungen verboten. Jean Paul Belmondo war übrigens nicht der einzige Filmstar, der Francesco Smalto trug, auch Sean Connery zählte zu den Kunden des Hauses. Heute wirbt man mit Zinedine Zidane; und die junge koreanische Designchefin <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ukB_IJmDX90">Youn Chong Bak</a> ist stolz darauf, dass man Anzüge für richtige Männer macht (<em>Smalto habille les hommes, pas les minets</em>)<em> </em>und keine magersüchtigen Models in der Werbung beschäftigt. Darüber sollte man bei der Firma ➱<a href="http://loomings-jay.blogspot.com/2011/11/made-in-germany.html">Regent</a> mal nachdenken. Die Firma <a href="http://www.youtube.com/watch?v=7msI8ikEu0c">Francesco Smalto</a> gehört seit zehn Jahren zu dem Konzern von <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Alain_Dum%C3%A9nil">Alain Duménil</a>, der gleichzeitig mit Smalto das Haus <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Jean-Louis_Scherrer">Jean-Louis Scherrer</a> gekauft hatte. Ich weiß jetzt nicht, ob die Qualität der Klamotten darunter gelitten hat, ich habe noch niemals ein Teil von Smalto in der Hand gehabt. Ich könnte jetzt natürlich bei ebay einen magnolienfarbenen Anzug für £ 249,95 kaufen (von dem das Jackett da unten abgebildet ist), <em>the only one on ebay, extremley rare, collector&#8217;s item</em>. Ich kann&#8217;s aber auch lassen. Weil er sich von den Nervesa Produkten die ich kenne wohl nicht wesentlich unterscheidet.</p>
<div><a href="http://stiffcollar.files.wordpress.com/2010/12/epaulecifonelli.jpg"><img src="http://stiffcollar.files.wordpress.com/2010/12/epaulecifonelli.jpg?w=200&#038;h=163" alt="" width="200" height="163" border="0" /></a></div>
<p>Dass der Anzug, den Belmondo in der ersten Szene mit Catherine Deneuve trägt, das Werk eines Pariser Schneiders ist, sehen Kenner auf den ersten Blick. Schauen Sie mal eben auf die ➱<a href="http://www.youtube.com/watch?v=TlOrRLH-AzY">Schulter</a>. Fällt Ihnen etwas auf? Also, abgesehen von der Belmondo Schulter. Das, wie der Ärmel eingesetzt ist, ist eine Cifonelli Schulter (in der Abbildung das Modell rechts). Benannt natürlich nach der berühmten Schneiderfamilie ➱<a href="http://www.cifonelli.com/introducing.html">Cifonelli</a>, die in Frankreich ein ebenso großer Name ist wie Domenico Caraceni in Italien (die <a href="http://www.theguidetomenssuits.com/cifonelli-suits.html">Cifonelli Anzüge</a>, die in den USA verkauft werden, werden bei Nervesa hergestellt).</p>
<p><img src="http://img.auctiva.com/imgdata/1/3/7/8/2/5/5/webimg/517759034_o.jpg" alt="eBay Image Hosting at www.auctiva.com" width="163" height="320" /></p>
<p>Pariser Schneider lieben diesen Typ Schulter. Pariser Schneider lieben auch diese etwas seltsame Form des Revers, die man an diesem Smalto Jackett sehen kann. Es ist ein Revers mit abbrechender Spiegelnaht, auch Knize Revers genannt. War in den dreißiger Jahren sehr schick, findet sich heute wohl nur noch bei Pariser Schneidern. Ich musste diesen kleinen Ausflug in die Geschichte der Herrenmode mal eben machen. Weil die Leser, die in diesem Blog von Zeit zu Zeit geistvolle Artikel über Herrenmode lesen wollen, schon wieder gemurrt haben. Und weil ➱<a href="http://loomings-jay.blogspot.com/2010/11/film-und-mode.html">Film und Mode</a> natürlich untrennbar verbunden sind. Und natürlich auch deshalb &#8211; um Ausreden bin ich nie verlegen - weil François Truffaut auch Kunde bei Francesco Smalto war.</p>
<div><a href="http://rapo.com/icrgallery/photos/Trouffaut-Vadim.jpg"><img src="http://rapo.com/icrgallery/photos/Trouffaut-Vadim.jpg" alt="" width="200" height="131" border="0" /></a></div>
<p>Man kann das hier sicher sehen. Roger Vadim (links) trägt ein Jackett, das sicherlich keine Cifonelli Schulter hat. An François Truffauts Jackett kann man das ganz klar erkennen. Aber <em>back to square one, </em>zum Ende des Filmes <em>La Sirène du Mississipi </em>(dieser ➱<a href="http://baimaclia.do.am/board/drama/sirena_missisipi_la_sirene_du_mississipi_1969/13-1-0-1331">Link</a> führt zu einer russischen Version des Filmes, ist aber besser als gar nix)<em>. </em>Es ist gar nicht so selbstverständlich, dass da Catherine Deneuve und Jean Paul Belmondo durch den Schnee der Alpen stapfen, es hätten ja auch Brigitte Bardot und François Truffaut sein können. Jahre nachdem der Film <em>La Sirène du Mississipi</em> in die Kinos gekommen war, hat Brigitte Bardot in einem Interview gesagt, dass Truffaut ihr die Rolle der Julie Roussel/Marion Vergano versprochen hätte.</p>
<div><a href="http://29.media.tumblr.com/tumblr_ldw1w1eqLR1qdf3xzo1_500.jpg"><img src="http://29.media.tumblr.com/tumblr_ldw1w1eqLR1qdf3xzo1_500.jpg" alt="" width="200" height="148" border="0" /></a></div>
<p>Truffaut, Gentleman der er war, hat dem nie öffentlich widersprochen (obgleich er durchaus einen Augenblick erwogen hatte, gerichtlich gegen BB vorzugehen). Die Basis dieses Gerüchts ist die Tatsache, dass ihm die Brüder Robert und Raymond Hakim Truffaut die Filmrechte zu <em>Waltz into Darkness</em> verkaufen wollten, im Paket mit Brigitte Bardot in der Hauptrolle. Aber Truffaut wollte nicht. Er liebte zwar den Autor, der unter dem Namen William Irish den Roman <em>Waltz into Darkness </em>geschrieben hatte, aber er konnte die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Robert_and_Raymond_Hakim">Brüder Hakim</a> nicht ausstehen. Sie haben einen schlechten Ruf, Joseph Losey hätte sie einmal beinahe verprügelt.</p>
<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/12/42-19254067.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/12/42-19254067.jpg?w=133&#038;h=200" alt="" width="133" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Truffaut wollte unbedingt Belmondo (hier in einem Jackett bei dem man Cifonelli Schulter und Knize Revers sehr schön sehen kann), den er schon für den Film verpflichtet hatte, bevor er die Filmrechte und ein Drehbuch hatte. Und er wollte Deneuve an der Seite von Belmondo. Dann fand er heraus, dass die Hakim Brüder die Filmrechte überhaupt nicht besaßen. Er kaufte die Rechte sehr preiswert von der Twentieth Century Fox, die an dem Film keinerlei Interesse mehr hatte. Den größten Teil des Geldes hatte im Jeanne Moreau geliehen. Die hasste die Hakims, weil sie ihr das Honorar aus dem Film ➱<em><a href="http://movies.nytimes.com/movie/review?res=9904E7D9163BE13ABC4D53DFB066838E679EDE">Eva</a></em> nie gezahlt hatten &#8211; und Brigitte Bardot mochte sie auch nicht so besonders. Und natürlich hätte Truffaut auch den Zigarettenfabrikanten Louis Mahé spielen können (er hätte dann allerdings nicht solche Hosen getragen wie Belmondo: das ist noch der stehengebliebene Stil der Schneider der dreißiger Jahre &#8211; schon der Herzog von Windsor fand diesen Hosentyp gräßlich). Er hat Jahre später einmal über den Film &#8211; den er nie mochte &#8211; selbstironisch gesagt, dass er besser den Louis Mahé hätte spielen sollen &#8211; und Belmondo hätte Regie führen sollen.</p>
<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/12/2_large.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/12/2_large.jpg?w=200&#038;h=132" alt="" width="200" height="132" border="0" /></a></div>
<p>Kurz bevor Catherine und Jean Paul den verschneiten Abhang hinaufgehen, hatte sie noch versucht, ihn zu vergiften (die Berghütte ist übrigens die gleiche, die in Truffauts <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schie%C3%9Fen_Sie_auf_den_Pianisten">Tirez sur le pianiste</a></em> vorkommt). Aber dann hat sie erkannt, dass sie ihn doch liebt. Ich lasse das mal lieber, aus den letzten Worten des Film zu zitieren. Wenn Marion sagt: <em>Jetzt gehöre ich nur dir, Louis. Es tut weh, Louis, es tut weh. Ist das die Liebe? Tut Liebe so weh? </em>Das tut uns auch weh. Und wir ertragen es nur, weil wir Catherine lieben. Und François. Und Jean Paul. Sonst würden wir uns das nicht angucken. Natürlich ist das melodramatischer Kitsch, aber diese Geschichte einer <em>amour fou</em> ist so von Truffaut gewollt (<em>gegen gewollten Kitsch habe ich gar nichts</em>), der hier ironisch mit allen Klischees des Krimis und der Trivialliteratur spielt.</p>
<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/12/43337-1-large.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/12/43337-1-large.jpg?w=200&#038;h=131" alt="" width="200" height="131" border="0" /></a></div>
<p>Und all das fand er natürlich schon in der Romanvorlage von William Irish, der in Wirklichkeit Cornell Woolrich heißt. Der wurde heute vor 108 Jahren geboren. Der erste Roman, den ich von ihm las, war <em>Phantom Lady </em>(1944 von Robert Siodmak verfilmt), ein Roman bei dem man am Ende der Lektüre nur <em>Wow!</em> sagen konnte. So ähnlich hat sich Truffaut auch gefühlt &#8211; und prompt zwei seiner Romane verfilmt: <em>The Bride Wore Black</em> als <em>La Mariée était en noir</em> (<em>Die Braut trug Schwarz</em>) mit Jeanne Moreau und <em>Waltz into Darkness</em> als <em>La Sirène du Mississipi. </em>Das ist da kein Tippfehler, fragen Sie mich jetzt nicht, weshalb die Franzosen den amerikanischen Fluss so schreiben. Als Truffaut an die Verfilmung von<em>The Bride Wore Black</em> heranging, lebte Cornell Woolrich noch. Er hatte allerdings noch nie von François Truffaut gehört, ließ ihm aber durch Truffauts amerikanische Agentin ausrichten, dass er durchaus in der Lage sei, einen Brief in französischer Sprache zu lesen, falls Truffaut ihm schreiben wolle. Er hat den Erfolg von  <em>La Mariée était en noir</em>und <em>La Sirène du Mississipi</em> nicht mehr erlebt.</p>
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<p>François Truffaut ist nur einer von vielen Regisseuren, die Cornell Woolrich verfilmt haben. Kein anderer <em>roman noir </em>Autor ist so häufig verfilmt worden wie er! Und dennoch sind seine Romane heute nur noch antiquarisch zu finden. Da hat man es mit Truffauts Filmen und Hitchcocks <em>Fenster zum Hof</em> (auch nach einem Cornell Woolrich Geschichte) leichter. Als Truffaut an seinen Cornell Woolrich Verfilmungen arbeitet, hat er seine Hitchcock Phase. Denn gleichzeitig mit den Filmen entsteht sein großartiges Interview-Buch <em>Le cinéma selon Hitchcock</em> (<em>Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?</em>). Dort sagt er einmal: <em>it might be said that the texture of your films is made up of three elements: fear, sex and death</em>, und das beschreibt eigentlich auch sehr schön die Textur seiner eigenen Filme in dieser Zeit.</p>
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<p>Truffauts Hitchcock Verehrung geht so weit, dass er für diesen Film unbedingt unbedingt diese kühle Blonde braucht, ohne die ein Hitchcock Film nicht funktioniert. Diese <em>icy sexuality</em>, dieses <em>paradox between the inner fire and the cool surface.</em> Und wer könnte das besser spielen als Catherine Deneuve, die so kalt ist wie der Schnee in der letzten Szene des Filmes? Mit oder ohne weiße Unterwäsche.</p>
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		<title>James Mallahan Cain</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 08:44:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jay</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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<p><em>Cain was one of those writers who first amazed and delighted me when I was old enough to start looking around and seeing what was being done in American literature. Steinbeck, Farrell, Saroyan, Faulkner, and Thomas Wolfe were some of the others. But Cain—momentum was something he had a patent on. Or maybe acceleration is the word. Picking up a Cain novel was like climbing into a car with one of those Superstockers who is up to forty by the time your right leg is in the door</em>, sagt Tom Wolfe im Vorwort zu einem <em>James M. Cain Omnibus</em> (Alfred Knopf 1969). Er sagt auch noch <em>Nobody has quite pulled if off the way Cain does, not Hemingway, not even Raymond Chandler</em>. ➱<a href="http://loomings-jay.blogspot.com/2010/07/raymond-chandler.html">Chandler</a> mochte Cains Romane nicht besonders, er hielt eigentlich gar nichts von ihnen (Cain hielt auch nicht viel von Chandler). Aber Chandler hat <em>Double Indemnity</em> zu einem Drebuch umgeschrieben &#8211; und William Faulkner war sich damals auch nicht zu schade, Chandlers <em>The Big Sleep</em>  zu einem Drehbuch umzuschreiben. Für Geld aus Hollywood tun amerikanische Schriftsteller ja sehr viel. Der Kritiker Albert Van Nostrand unterstellte den amerikanischen Autoren der dreißiger Jahre in seinem Buch ➱<em><a href="http://www.archive.org/stream/denaturednovel031000mbp/denaturednovel031000mbp_djvu.txt">The Denatured Novel</a></em>, dass sie bei jedem Roman schon auf die Verfilmung schielten.</p>
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<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/577423752_e0b5659eb8.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/577423752_e0b5659eb8.jpg?w=200&#038;h=158" alt="" width="200" height="158" border="0" /></a></div>
<p>Vielleicht hat James M. Cain das getan, seine Romane laden ja geradezu dazu ein verfilmt zu werden. Und sie waren auch die Vorlage für einige große Filme. Die Verfilmung mit Jack Nicholson von <em>The Postman Always Rings Twice,</em> die nur durch die Szene auf dem ➱<a href="http://www.metacafe.com/watch/2209665/jessica_lange_and_jack_nicholson_hot_scene/">Küchentisch</a> von sich reden machte, gehört natürlich nicht dazu. Viscontis ➱<em><a href="http://www.youtube.com/watch?v=scKlIJQlJjY&amp;feature=related">Ossessione</a></em> allerdings unbedingt. ➱<a href="http://www.youtube.com/watch?v=Fe9ALvuzwYg">Tay Garnetts</a> Film mit Lana Turner und John Garfield erst recht. Wenn man so will, hat Lucchino Visconti den Roman zweimal verfilmt, denn nach <em>Ossessione</em> (1943) hat er 1967 noch <em>Lo Straniero </em>gedreht. Die Romanvorlage <em>L&#8217;Étranger</em> von Albert Camus hat ja mit <em>The Postman Always Rings Twice</em> viel gemeinsam. Camus hat Cains Roman als einen wesentlichen Einfluss auf seinen Roman bezeichnet.</p>
<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/double-indemnity-1944-1080i-001.jpg?w=300"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/double-indemnity-1944-1080i-001.jpg?w=200&#038;h=150" alt="" width="200" height="150" border="0" /></a></div>
<p><em>Der amerikanische Roman sucht seine Einheit dadurch zu finden, daß er den Menschen reduziert, sei es aufs Elementare, sei es auf seine äußerlichen Reaktionen und auf sein Verhalten</em>, schreibt Camus in <em>Der Mensch in der Revolte</em>. Und er fügt in einer Fußnote hinzu <em>Es handelt sich natürlich um den &#8216;harten&#8217; Roman der dreißiger und vierziger Jahre und nicht um die wunderbare amerikanische Blütezeit im 19. Jahrhundert.</em> Die Beschreibung von Äußerlichkeiten, die die Spitze des Eisbergs unterdrückter Emotionen sind, ist sicherlich eins der Hauptmerkmale der so genannten <em>hard-boiled school</em> (der Terminus <em>behavioristischer Roman</em> hat sich für diese Sorte Literatur nicht so recht durchgesetzt). James M. Cain hat das Lob von Camus übrigens ganz cool hingenommen: <em>He wrote something about me—more or less admitting that he had patterned one of his books on mine, and that he revered me as a great American writer. But I never read Camus. In some ways I&#8217;m ignorant. In other ways I&#8217;m not.</em><br />
<em><br />
</em></p>
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<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/annex-garfieldjohnpostmanalwaysringstwicethe_07.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/annex-garfieldjohnpostmanalwaysringstwicethe_07.jpg?w=200&#038;h=153" alt="" width="200" height="153" border="0" /></a></div>
<p>Erstaunlicherweise hat sich James M. Cain immer dagegen gewehrt, mit dem Etikett <em>hard-boiled</em> beklebt zu werden &#8211; obwohl die <em>New York Times</em> <em>The Postman Always Rings Twice</em>in ihrer Rezension 1934 als <em>six-minute egg</em> bezeichnet, hartgekochter geht es nicht. Er gehöre <em>to no school, hard-boiled or otherwise</em> hat er gesagt. Und in einem Vorwort zu einer späteren Ausgabe von <em>The Postman Always Rings Twice</em> schrieb er: <em>I make no conscious effort to be tough, or hard-boiled, or grim, or any of the things I am usually called. I merely try to write as the character would write, and I never forget that the average man, from the fields, the streets, the bars, the offices and even the gutters of his country, has acquired a vividness of speech that goes beyond anything I could invent, and that if I stick to this heritage, this logos of the American countryside, I shall attain a maximum of effectiveness with very little effort</em>.</p>
<div><a href="http://thetfs.ca/wp-content/uploads/2011/06/double-indemnity-still-285x280.jpg"><img src="http://thetfs.ca/wp-content/uploads/2011/06/double-indemnity-still-285x280.jpg" alt="" width="200" height="196" border="0" /></a></div>
<p>Dennoch hat er mit Hammett, Chandler, Hemingway oder John O&#8217;Hara viel gemeinsam. Nicht nur weil er ein Säufer ist wie sie. In diesem Punkt übertrifft er sie übrigens alle. Von den prominenten <em>tough guy writers of the Thirties</em>, die alle Säufer sind, lebt er am längsten, er wird 85 Jahre alt. Horace McCoy wird nur 58, Hemingway 62, John O&#8217;Hara 65, Hammett 68 und Chandler 71. Und es ist nicht nur der Alkohol, der sie verbindet, die <em>vividness of speech</em>, die lakonische Sprache der Great Depression, die fangen sie in dieser Zeit alle ein. Die Journalisten, die Sportreporter, die Gerichtsreporter, Hollywoods Drehbuchautoren und natürlich die<em>tough guy writers</em>. Raymond Chandler wird dieses <em>American English</em>in einen hochpoetischen Jargon verwandeln, solche künstlerischen Ambitionen hat James M. Cain nicht.</p>
<p><em>They threw me off the hay truck about noon. I had swung on the night before, down at the border, and as soon as I got up there under the canvas, I went to sleep. I needed plenty of that, after three weeks in Tia Juana, and I was still getting it when they pulled off to one side to let the engine cool. Then they saw a foot sticking out and threw me off. I tried some comical stuff, but all I got was a dead pan, so that gag was out. They gave me a cigarette, though, and I hiked down the road to find something to eat.</em></p>
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<div><em>That was when I hit this Twin Oaks Tavern&#8230;</em><br />
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<div><a href="http://piddleville.com/wp-content/uploads/2011/03/postman_02.jpg"><img src="http://piddleville.com/wp-content/uploads/2011/03/postman_02.jpg" alt="" width="200" height="157" border="0" /></a></div>
<p>So fängt der Roman an. So beginnt die Erzählung von Frank Chambers, dem Ich-Erzähler, der in der Todeszelle endet. Es gibt viele Ich-Erzähler bei Cain, das gibt seinen Romanen diesen <em>touch</em> von Authentizität. <em>I tried to write as people talk</em>, er redet normalerweise nicht wie seine Figuren: <em>I slip into the Vulgate every once in a while—an affectation I only half-understand. There I am speaking impeccable English and suddenly I lingo it up</em>. Auch das Einfache ist kunstvoll und künstlich, das ist seine Kunst. Ein Satz wie Raymond Chandlers <em>to accept a mediocre form and make something like literature out of it is in itself rather an accomplishment</em> käme ihm wohl nicht über die Lippen.<br />
In James M. Cains Romanen gehen die Helden unter, weil sie einer<em>femme fatale</em> verfallen. Wie Frank Chamber der <em>hellcat</em> Cora - <em>You must be a hellcat, though. You couldn’t make me feel like this if you weren’t</em>, die animalische Symbolik wird sich durch den ganzen Roman ziehen.<em>Then I saw her</em>, beginnt der kurze Absatz auf der zweiten Seite des Romans. Und mit diesem <em>Then I saw her</em> ist schon alles gesagt. Der Absatz endet mit dem Satz <em>Her lips stuck out in a way that made me want to mash them in for her</em>. In dem Augenblick ist er schon verloren.</p>
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<div><em>The hero of the typical Cain novel is a good-looking down- and-outer, who leads the life of a vagrant and rogue. He invariably falls under the domination&#8211;usually to his ruin&#8211;of a vulgar and determined woman from whom he finds it impossible to escape. In the novels of McCoy and Hallas, he holds our sympathy through his essential innocence; but in the novels of Cain himself, the situation is not so simple. Cain&#8217;s heroes are capable of extraordinary exploits, but they are always treading the edge of a precipice. They are doomed, like the heroes of Hemingway: they will eventually fall off the precipice. But whereas in Hemingway&#8217;s stories, it is simply that these brave and decent men have had a dirty deal from life, the hero of a novel by Cain is an individual of mixed unstable character, who carries his precipice with him like Pascal</em>.</p>
<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/mildredpierce.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/mildredpierce.jpg?w=200&#038;h=153" alt="" width="200" height="153" border="0" /></a></div>
<p>Das schreibt kein Geringerer als der berühmte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Wilson">Edmund Wilson</a>1941 in seinem Essay <em>The Boys in the Backroom</em>. Er ist der erste, der sich positiv über James M. Cain äußert (der oben zitierte Albert van Nostrand hat natürlich nichts Nettes über ihn zu sagen). Dann dauert es doch zwei Jahrzehnte, bis das Interesse der Literaturwissenschaft an Cain erwacht. Der Schriftsteller<a href="http://www.davidmadden.net/?page_id=300">David Madden</a> wird sein Buch <em>Tough Guy Writers of the Thirties</em> (in dem Joyce Carol Oates einen langen James M. Cain Essay hat) mit der schönen Widmung versehen <em>To James M. Cain, twenty-minute egg of the hard-boiled writers</em>. Heute gibt es genügend gute Literatur zu Cain, halten Sie sich an ➱<a href="http://www.williammarling.com/">William Marling</a>, der sehr gute Seiten zum ➱<a href="http://www.detnovel.com/"><em>roman noir</em></a> im Internet hat.</p>
<div><a href="http://www.iicstoccarda.esteri.it/IIC_Stoccarda/webform/..%5C..%5CIICManager%5CUpload%5CIMG%5C%5CStoccarda%5CViscontiOssessione.jpg"><img src="http://www.iicstoccarda.esteri.it/IIC_Stoccarda/webform/..%5C..%5CIICManager%5CUpload%5CIMG%5C%5CStoccarda%5CViscontiOssessione.jpg" alt="" width="200" height="160" border="0" /></a></div>
<p>Und dann habe ich noch einen Literaturtip: lesen Sie den unterschätztesten Roman von James M. Cain. Lesen Sie <em>Serenade. </em>Grandioser Kitsch. Mit viel Puccini, hier ist der gescheiterte Opernsänger James Mallahan Cain in seinem Element, <em>grand opéra</em>. Der vielleicht beste der <em>tough-guy writers</em> ist heute vor vierunddreißig Jahren gestorben. Viele waren damals überrascht zu hören, dass er noch lebte. Er war aber noch bis zuletzt quicklebendig. Ich hätte hier noch ein interessantes ➱<a href="http://www.theparisreview.org/interviews/3474/the-art-of-fiction-no-69-james-m-cain">Interview</a> aus der Reihe der <em><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Paris_Review">Paris Review</a></em> Interviews, das ein dreiviertel Jahr vor seinem Tod aufgezeichnet wurde. Die Filmphotos sind aus den Filmen<em>The Postman Always Rings Twice </em>(1,4,6)<em>, Ossessione </em>(2,8)<em>, Double Indemnity </em>(3,5)<em> </em>und<em> Mildred Pierce </em>(8).</p>
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		<title>John le Carré</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Oct 2011 08:48:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jay</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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<p>Es ist hoffentlich noch nicht zu spät für die Geburtstagswünsche, John le Carré ist gestern achtzig geworden. Er ist derjenige Autor von realistischen englischen Spionageromanen, den man in Deutschland immer liebte. Immer wieder hat es Interviews mit ihm gegeben, sein Kollege Len Deighton (inzwischen 82) wurde in den deutschen <em>quality papers</em> nie so gefeiert. Wahrscheinlich mögen wir le Carré, weil er so aussieht, wie wir uns den typischen englischen <em>upper middle class</em> Gentleman vorstellen. Und weil er (wie sein Romanheld George Smiley) Deutsch kann. Er war ja auch lange in Deutschland, in Bonn und Hamburg. Offiziell im diplomatischen Dienst, etwas weniger offiziell war er beim MI6. Den hat er irgendwann verlassen (oder vielleicht doch nicht?), um seine Romane über den englischen Geheimdienst zu schreiben. Für den Geheimdienst hatte er schon während seiner Zeit in der Armee und während seines Studiums gearbeitet, er war der <em>perfect spy, </em>doppelte Existenzen und Betrug gehörten von klein auf zu seinem Leben. Seit dem autobiographischen Roman <em>The Perfect Spy</em> wissen wir einiges über die kriminelle Vergangenheit seines Vaters.</p>
<div><a href="http://i.telegraph.co.uk/multimedia/archive/01132/arts-graphics-2008_1132025a.jpg"><img src="http://i.telegraph.co.uk/multimedia/archive/01132/arts-graphics-2008_1132025a.jpg" alt="" width="135" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Die ersten beiden Romane von le Carré, <em>Call for the Dead</em> und <em>A Murder of Quality</em>, erschienen gleichzeitig mit Len Deightons Debütroman <em>The Ipcress File</em>. Deighton und le Carré veränderten in den sechziger Jahren den englischen Spionageroman vollständig, die abgegriffene Ian Fleming Romanformel hatte ausgedient. Sie hat natürlich nie ausgedient, es wird immer Leute geben, die die James Bond Romane ganz toll finden. Es wird wahrscheinlich auch immer Leser für die <em>G-Man Jerry Cotton</em> Hefte geben.</p>
<p>Len Deighton repräsentierte den Geist der Zeit, das <em>Swinging London </em>swingte auch in seine Romane hinein. Ähnlich wie Antonionis ➱<em><a href="http://loomings-jay.blogspot.com/2010/07/swinging-london.html">Blow-Up</a></em>, wie ➱<a href="http://loomings-jay.blogspot.com/2010/07/john-schlesinger.html">Schlesingers</a> <em>Darling</em> oder ➱<a href="http://loomings-jay.blogspot.com/2011/01/richard-lester.html">Lesters</a> <em>The Knack</em> gehörten Len Deightons Romane in diese Kultur. <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/George_Melly">George Melly</a> hätte sie ruhig in <em>Revolt into Style</em> erwähnen können. Deightons namenloser Held, der in den Filmen Harry Palmer hieß (aber natürlich eigentlich Michael Caine hieß), war cool wie eine Hundeschnauze. Er war einer der ersten literarischen Geheimagenten, der nicht aus der Oberklasse kam. Das passte natürlich wunderbar zu Michael Caine, der mit dem Londoner Cockney Akzent aufgewachsen war; wenn man ein Ohr für Akzente hat, kann man den sprachlichen Klassenunterschied auf der Originaltonspur von <em>The Ipcress File</em> sehr schön hören.</p>
<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/johnlecarrc3a9.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/johnlecarrc3a9.jpg?w=152&#038;h=200" alt="" width="152" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Das <em>Swinging London</em> war nicht die Sache von John le Carré, er strebte in seinen Romanen nach Höherem als ein Chronist des Zeitgeschmacks der <em>sixties</em>zu sein. Er hat in vielen Interviews Joseph Conrad und Graham Greene als seine literarischen Vorbilder bezeichnet, man merkt das auf beinahe jeder Seite seiner Romane. Er hat allerdings auch P.G. Wodehouse als sein Vorbild bezeichnet, das merkt man nun nicht unbedingt. le Carrés Romane sind &#8211; im Gegensatz zu den Romanen Deightons &#8211; weitgehend humorfrei. Er wäre nie auf die Idee gekommen (oder vielleicht doch), eine völlige Fälschung seines Lebenslaufes in das <em>Who is Who</em> zu schmuggeln wie Len Deighton das getan hat: <em>Eldest son of a Governor-General of the Windward Islands. After an uneventful education at Eton and Worcester College, Oxford, where he read Philosophy, Politics and Economics and was President of the Union, he signed on as a deckhand on a Japanese whaler</em>. Nichts davon ist wahr, ich finde es immer noch sehr komisch.</p>
<div><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/d/d0/JohnLeCarre_TheSpyWhoCameIn.jpg"><img src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/d/d0/JohnLeCarre_TheSpyWhoCameIn.jpg" alt="" width="135" height="200" border="0" /></a></div>
<p>John le Carré hielt sich nicht in den Niederungen der Trivialliteratur auf, um sich nach oben zu schreiben wie Raymond Chandler. Er begann gleich ganz oben, und nach der Verfilmung von <em>The Spy Who Came in from the Cold</em> wusste die ganze Welt, dass England einen Superstar des Spionageromans hatte. Die Literaturkritiker sind ja auch immer nett zu ihm gewesen und haben ihm beinahe von Anfang an versichert, dass er kein Autor von billigen Thrillern wäre, sondern dass seine Romane zumindest auf der Ebene von Graham Greenes <em>entertainments </em>anzusiedeln wären. Es bestand für ihn also eigentlich gar kein Grund, seine Whippets so abzurichten, dass sie bei der Erwähnung des Wortes <em>critic</em> zu knurren anfingen.</p>
<p>Len Deighton überließ seinem Kollegen erst einmal das Feld des Spionageromans, da ihn andere Dinge interessierten: so schrieb er zwei Kochbücher, einen London-Führer und dann den Roman <em><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Bomber_(novel)">Bomber</a></em>, in den Jahre der historischen Recherche hineingegangen waren. Seine Jahre bei der RAF haben ihn nie so recht losgelassen, damit meine ich jetzt nicht einen Roman wie <em>Goodbye, Mickey Mouse</em> sondern sein Buch über den Luftkrieg, <em>Fighter: The True Story of the Battle of Britain, </em>das ihm die Anerkennung der englischen Historikerzunft eintrug. Ich erwähne das mal eben im Kontrast zu John le Carré, um zu zeigen, dass die Bandbreite von Len Deighton viel größer ist als die von John le Carré.</p>
<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/photo1.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/photo1.jpg?w=200&#038;h=189" alt="" width="200" height="189" border="0" /></a></div>
<p>Es kam für die Gemeinde der John le Carré Fans wie ein Schock, dass le Carré seinen vom Publikum geliebten Helden George Smiley aufgab, der in den ersten Romanen &#8211; und besonders in der Trilogie, die später unter dem Namen <em>The Quest for Karla</em> veröffentlicht wurde &#8211; so etwas wie eine moralische Instanz geworden war. Ähnlich wie der Kapitän Charles Marlow für manche Romane Joseph Conrads. Damals schrieb <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Eilert">Bernd Eilert</a> in <em>Der Rabe</em> unter der Rubrik <em>Der Rabe rät ab</em>: <em>Seit le Carré seinen altmodischen Spion Smiley pensioniert hat, fehlt seinen Geschichten das, was sie anderen Spionage-Romanen voraushatten: eine gewisse Würde&#8230;</em>Das haben viele Leser ähnlich gesehen, denn George Smiley war ihnen ans Herz gewachsen. Mir auch, ich habe zwar weiterhin die meisten Romane von le Carré gekauft (und manchmal auch gelesen, häufig jedoch nicht), aber es war nicht mehr das, was ich mochte.</p>
<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/the-ipcress-file-michael-caine-1965.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/the-ipcress-file-michael-caine-1965.jpg?w=150&#038;h=200" alt="" width="150" height="200" border="0" /></a></div>
<p>George Smiley begann sein literarisches Leben in <em>Call for the Dead</em>. Er kommt leider nicht so furchtbar oft in Filmen vor. Er wurde in <em><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Deadly_Affair">The Deadly Affair</a></em> von James Mason gespielt, der passte genau in die Rolle. In der TV-Fassung von <em>Tinker, Tailor, Soldie, Spy</em> wird er von Sir Alec Guinness gespielt &#8211; aber so sieht der George Smiley meiner Romanwelt nicht aus, sorry. Deshalb gibt es hier als Bild einmal den Helden mehrerer Len Deighton Verfilmungen zu sehen.</p>
<p>Le Carré hatte sich in seinem ersten Roman bemüßigt gefühlt, zur Erklärung der Romanfigur noch <em>A Brief History of George Smiley</em>hinzuzufügen (Sie können sie ➱<a href="http://www.guardian.co.uk/books/2009/may/22/le-carre-call-for-the-dead">hier</a> nachlesen). Eigentlich eine ungewöhnliche Sache für einen Romanautor. Sie zeigt aber, dass le Carré von Anfang an diesen George Smiley als Serienhelden im Kopf hatte, so wie Conan Doyle seinen Sherlock Holmes im Kopf hatte &#8211; auch wenn le Carré seinem Helden den Sturz in die Reichenbach Fälle erspart. In den nächsten Romanen fristet George Smiley ein wenig eine Randexistenz. Man fürchtete damals als Leser doch schon den Tod in den Reichenbachfällen als le Carré <em>The Naive and Sentimental Lover </em>schrieb. Ein Roman, der ihm von den Kritikern um die Ohren gehauen wurde. Vielleicht stammt die Geschichte mit den Hunden aus dieser Zeit. Aber dann, wie Phönix aus der Asche, war George Smiley wieder da. Und dann gleich als Trilogie (<em>Tinker Tailor Soldier Spy</em>, <em>The Honourable Schoolboy</em> und <em>Smiley&#8217;s People</em>). Und auch noch passend zu all den Skandalen des englischen Geheimdienstes von <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Cambridge_Five">Burgess und Maclean bis Kim Philby</a> war er der einzige, der England retten konnte. Dafür sind die Helden des englischen Spionageroman ja da, ob sie Richard Hannay, James Bond oder George Smiley heißen. Immer müssen sie England retten. Meistens noch in der letzten Minute. Was wären die Engländer bloß ohne ihre <em>spy novel</em> Autoren?</p>
<p>John le Carré wurde vor Jahren in einem Interview der BBC gefragt, welche Romane er für seine besten hielte. Seine Antwort war: <em>The Spy Who Came in from the Cold</em>, <em>Tinker, Tailor, Soldier, Spy</em>, <em>The Tailor of Panama,</em> <em>The Constant Gardener</em>. Da Geburtstagskinder immer Recht haben, lassen wir das mal so stehen.</p>
<p>Falls Sie eine kurze Geschichte des englischen Spionageromans lesen wollen, brauchen Sie diesen/dieses Blog nicht zu verlassen. Klicken Sie doch einfach ➱<a href="http://loomings-jay.blogspot.com/2010/06/secret-agents.html">Secret Agents</a> an.</p>
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		<title>Edgar Allan Poe</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Oct 2011 08:38:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jay</dc:creator>
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		<description><![CDATA[  Heute vor 162 Jahren ist er in Baltimore gestorben. Er war vierzig Jahre alt. Die Umstände seines Todes bleiben rätselhaft, die Theorien nennen Mord, Selbstmord, Cholera, Tollwut und Syphilis als mögliche Ursachen. Man hatte ihn auf der Straße gefunden, in great distress, and &#8230; in need of immediate assistance. Der größte Fehler des armen Edgar Allan Poe [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=killerintherain.wordpress.com&amp;blog=23277434&amp;post=117&amp;subd=killerintherain&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
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<div><a href="http://brockstedt.com/images/bildarchiv/2gross/janssen21.jpg"><img src="http://brockstedt.com/images/bildarchiv/2gross/janssen21.jpg" alt="" width="133" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Heute vor 162 Jahren ist er in Baltimore gestorben. Er war vierzig Jahre alt. Die Umstände seines Todes bleiben rätselhaft, die Theorien nennen Mord, Selbstmord, Cholera, Tollwut und Syphilis als mögliche Ursachen. Man hatte ihn auf der Straße gefunden, <em>in great distress, and &#8230; in need of immediate assistance</em>. Der größte Fehler des armen Edgar Allan Poe in seinem Leben ist es gewesen, Rufus Griswold  zum Verwalter seines literarisches Werkes zu machen.<em> Edgar Allan Poe is dead. He died in Baltimore the day before yesterday. This announcement will startle many, but few will be grieved by it</em>, schrieb ➱<a href="http://www.eapoe.org/geninfo/poegrisw.htm">Griswold</a> wenige Tage nach dem Tod von Poe. In dem <em>few will be grieved by it</em> deutet sich schon an, was nun aus Griswolds Feder kommen wird, ein Verleumdungskampagne <em>par excellence</em>. Ein geisteskranker Trinker, der seine 13-jährige Cousine heiratet und besoffen in der Gosse stirbt. Und was nicht alles. An allen Vorwürfen ist irgendwo etwas dran, wo viel Schmutz geworfen wird, da bleibt auch viel hängen. Rufus Griswolds Biographie wird das Bild Poes immer überschatten. Was Poes Biographie betrifft, haben wir leider mehr Konfabulationen als Fakten.</p>
<div><a href="http://www.loc.gov/loc/lcib/9810/images/freud_7.jpg"><img src="http://www.loc.gov/loc/lcib/9810/images/freud_7.jpg" alt="" border="0" /></a></div>
<p>Es hat Poe auch nicht geholfen, dass sich die neue Wissenschaft der Psychologie seiner angenommen an, dazu forderte sein Werk ja auch geradezu heraus. <em>And much of Madness and more of Sin/And Horror the soul of the plot</em>. Immer wieder <em>madness</em>. Eines der kuriosesten Werke dieser neuen Wissenschaft stammt von einer echten Prinzessin, der Lieblingsschülerin von Freud (auf dem Photo links neben ihm). Man hätte Marie Bonaparte wahrscheinlich vergessen, wenn sie nicht vor kurzem von Catherine Deneuve gespielt worden wäre. Die Prinzessin  hat sicherlich große Verdienste (das größte ist wahrscheinlich, dass sie den Spinner Jacques Lacan aus der Vereinigung der französischen Psychiater geschmissen hat), aber ihr Buch <em>Edgar Poe: Etude psychanalytique</em> von 1933 ist mit Vorsicht zu geniessen. Es gibt seit Rufus Griswold mehr schlechte als gute Biographien über Edgar Allan Poe.</p>
<div><a href="http://www.eart.de/showimage.cfm?name=64024&amp;thumb=0"><img src="http://www.eart.de/showimage.cfm?name=64024&amp;thumb=0" alt="" width="161" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Wobei ich nichts gegen Hervey Allens Buch <em>Israfel</em> sagen will, für das Jahr 1926 war das schon ein Wurf; man muss Romanschriftsteller sein, um sowas zu schreiben. Eine Biographie, wie sie Hershel Parker zu Herman Melville vorgelegt hat, bleibt eigentlich immer noch ein Desiderat. Sicher ist die Biographie der Prinzessin Marie Bonaparte inzwischen ein Klassiker der Wissenschaftsgeschichte, aber sie ist keine ernstzunehmende Biographie. Gerade hat Peter Ackroyd ein 176 Seiten langes Büchlein (<em><a href="http://www.guardian.co.uk/books/2008/jan/27/biography.peterackroyd">Poe: A Life Cut Short</a></em>) geschrieben, das sicher sehr nett ist, aber auch keine richtige Biographie ist. Am besten gefällt mir da immer noch die Biographie von Kenneth Silverman aus dem Jahre 1992 <em>Edgar Allan Poe: Mournful and Never-ending Remembrance.</em><br />
<em><br />
</em></p>
<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/00_poeportrait_tcole_1880_century.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/10/00_poeportrait_tcole_1880_century.jpg?w=145&#038;h=200" alt="" width="145" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Und ich habe sogar eine Empfehlung für eine deutschsprachige Biographie, es ist kaum zu glauben. Der Verfasser heißt Frank T. Zumbach (und er hat auch einen schönen, für einen Edgar Allan Poe Spezialisten passenden ➱<a href="http://frankzumbach.wordpress.com/">Blog</a> - diese Adresse sollten alle Freunde des gepflegten Schauers unbedingt testen). Dafür dass diese Biographie schon beinahe ein Vierteljahrhundert alt ist, hat sie sich erstaunlich gut gehalten. Als sie 1986 im Winkler Verlag erschien, war sie neben Walter Lennigs kleiner Biographie in der Reihe der<em>rowohlts monographien</em> die einzige deutsche Buchpublikation zu Poe die ernst zu nehmen war. Frank T. Zumbachs Biographie ist keine trockene Wissenschaft, Zumbach hat zwar Anglistik studiert, aber er ist freier Schriftsteller und Übersetzer, kein Universitätsprofessor. Gott sei Dank, möchte man sagen. <em>E.A.Poe: Eine Biographie</em> ist nicht nur eine Biographie des Autors, das Buch portraitiert auch eine Epoche der amerikanischen Kultur. Es ist gut geschrieben, so dass jeder es lesen kann (was bei Werken aus professoraler Feder ja nicht immer gegeben ist). Und es gibt dem Leser einen Schlüssel zum Verständnis von Poes Werk. Was kann man sich mehr wünschen? Ja, man kann das Buch auch noch bei Amazon oder Amazon Marketplace finden.</p>
<div><a href="http://frankzumbach.files.wordpress.com/2010/09/ccf31082010_00014.jpg"><img src="http://frankzumbach.files.wordpress.com/2010/09/ccf31082010_00014.jpg?w=140&#038;h=200" alt="" width="140" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Während die amerikanischen Literaturprofessoren sich mit bewundernswertem Fleiß immer wieder auf Poes ebenso erfolglosen Zeitgenossen Herman Melville gestürzt haben, bleibt Edgar Allan Poes Werk heute immer noch vernachlässigt. Es gibt leider bis heute noch keine zuverlässige Gesamtausgabe der Werke von Edgar Allan Poe. Die ➱<a href="http://andromeda.rutgers.edu/~ehrlich/poe/poe_cd4.htm">Virginia Edition</a>, die schon über hundert Jahre alt ist, ist nicht ganz vollständig. Und <a href="http://www.eapoe.org/pstudies/PS1960/p1968201.htm">Thomas O. Mabbotts</a> Werkausgabe wurde leider durch seinen Tod beendet. Obgleich, die Bände, die er vollendet hat, ein Muster für jede Werkausgabe sein können. In Deutschland gibt es seit seit drei Jahren im Insel Verlag für 248 € eine vierbändige kommentierte Werkausgabe. Mit 4.254 Seiten das Vollständigste von Poe, was es auf Deutsch gibt. Diese Ausgabe ist nicht ganz neu, sie ist - herausgegeben von dem Berliner Anglistikprofessor Kuno Schuhmann und Hans Dieter Müller &#8211; 1966 im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Verlag">Walter Verlag</a> erschienen. Es hält sich das Gerücht, dass diese Ausgabe den Walter Verlag ruiniert hätte, aber das ist wohl nicht ganz wahr. 1979 gab es eine zehnbändige Paperback Lizenzausgabe (Pawlak), die allerdings schnell verramscht wurde. Aber die Ausgabe des Walter Verlags wurde dankenswerterweise von Gert Haffmanns 1994 wiederbelebt. Jetzt bringt der Insel Verlag sie noch einmal heraus. Die berühmtesten <a href="http://www.zeit.de/2009/09/L-Poe">Übersetzer</a>, die an dieser Werkausgabe mitgearbeitet haben, sind schon lange tot: Arno Schmidt und Hans Wollschläger.</p>
<div><a href="http://www.kettererkunst.de/kunst/pic570/316/410701444.jpg"><img src="http://www.kettererkunst.de/kunst/pic570/316/410701444.jpg" alt="" width="165" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Und dann muss ich noch ein drittes deutschsprachiges Werk nennen, ➱<a href="http://ccat.sas.upenn.edu/german/people/liliane-weissberg">Liliane Weissbergs</a> <em>Edgar Allan Poe</em>. Erschienen 1991 in der Sammlung Metzler als Band 204 dieser Reihe. Der materialreichste Forschungsbericht in Buchform, den es gibt. Und das ist noch die Kurzfassung. Im Vorwort schreibt die Verfasserin, die 1984 in Harvard über Poe promoviert hatte:<em>Die erste Fassung des vorliegenden Textes hatte den traurigen Ruhm, das längste Manuskript zu sein, das jemals für einen &#8216;Sammlung Metzler&#8217; Band eingereicht wurde</em>. Aber sie wussten bei Metzler schon, dass sie mit dem Manuskript etwas ganz Besonderes hatten, und man kann der Autorin für dieses Buch nur ewig dankbar sein. Es ist beim Verlag vergriffen, aber es gibt noch Restexemplare im Modernen Antiquariat.</p>
<p>Vielleicht ist mir ja auch der ein oder andere Leser dankbar für diese kleine Literaturübersicht. Aber natürlich kann man Edgar Allan Poe auch ohne alle Sekundärliteratur lesen. Obgleich Kommentare eines Gelehrten manchmal ja sehr schön sind. Ich habe die Modern Library Ausgabe von <em>The Complete Tales and Poems of Edgar Allan Poe</em>, die einmal <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Newton_Arvin">Newton Arvin</a> gehört hat. Mit seinen Unterstreichungen und Kommentaren. Besser geht es nicht.</p>
<p>Und über Edgar Allan Poe, der die <em>detective story</em> und die <em>short story </em>erfand (von der Science Fiction ganz zu schweigen), schreibe ich gerne noch ein anderes Mal. Die Bilder sind natürlich von Horst Janssen, den Edgar Allan Poe nie losgelassen hat.</p>
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		<title>Mr. Stringer</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Aug 2011 08:47:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jay</dc:creator>
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		<description><![CDATA[  In seinem Essay The guilty vicarage: Notes on the detective story, by an addict erklärte der englische Dichter W.H. Auden den Detektivroman zu einer Art christlicher (oder existentialistischer?) Parabel. Ich weiß nicht so ganz, wie ernst das Ganze gemeint war, aber es lassen sich natürlich Analogien zu allem finden. Vor allem beim Schauplatz: The Milieu (Natural). In the detective [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=killerintherain.wordpress.com&amp;blog=23277434&amp;post=114&amp;subd=killerintherain&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
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<div><a href="http://www.wearysloth.com/Gallery/ActorsD/4319-13117.gif"><img src="http://www.wearysloth.com/Gallery/ActorsD/4319-13117.gif" alt="" width="200" height="151" border="0" /></a></div>
<p>In seinem Essay <a href="http://harpers.org/archive/1948/05/0033206"><em>The guilty vicarage: Notes on the detective story, by an addict</em></a> erklärte der englische Dichter W.H. Auden den Detektivroman zu einer Art christlicher (oder existentialistischer?) Parabel. Ich weiß nicht so ganz, wie ernst das Ganze gemeint war, aber es lassen sich natürlich Analogien zu allem finden. Vor allem beim Schauplatz: <em>The Milieu (Natural). In the detective story, as in its mirror image, the Quest for the Grail, maps (the ritual of space) and timetables (the ritual of time) are desirable. Nature should reflect its human inhabitants, i.e., it should be the Great Good Place; for the more Eden-like it is, the greater the contradiction of murder. The country is preferable to the town, a well-to-do neighborhood (but not too well-to-do-or there will be a suspicion of ill-gotten gains) better than a slum. The corpse must shock not only because it is a corpse but also because, even for a corpse, it is shockingly out of place, as when a dog makes a mess on a drawing room carpet</em>.</p>
<div><a href="http://www.wearysloth.com/Gallery/ActorsD/4319-13107.gif"><img src="http://www.wearysloth.com/Gallery/ActorsD/4319-13107.gif" alt="" width="200" height="150" border="0" /></a></div>
<p>Das kennen wir, das typische kleine Dorf. Midsomer, Nether Addlethorpe, Middle Fritham oder Mayhem Parva, wie immer es heißen mag. Skurrile Anwohner (<em>The characters in a detective story should, therefore, be eccentric aesthetically [interesting individuals] and good [instinctively ethical]–good, that is, either in appearance, later shown to be false, or in reality, first concealed by an appearance of bad</em>), so etwas kennen wir aus hunderten von Romanen und TV Serien. In diesen kleinen Orten gibt es neben dem Pub natürlich noch ein Post Office und manchmal eine Leihbibliothek. Das sind Orte, an denen wir allen Personen begegnen können, Verdächtigen, Mördern. Auf jeden Fall in den dreißiger Jahren, dem <em>Golden Age of the Detective Novel</em>. Heute sind in den kleinen englischen Dörfern die Postämter und die Leihbibliotheken verschwunden. Und auch Veterinäre wie Siegfried und Tristan Farnon wird man da vergeblich suchen. Und diese schönen Tweedanzüge, die man in der ganzen Serie <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Doktor_und_das_liebe_Vieh">All Creatures Great and Small</a></em> sehen kann, findet man kaum noch. Das Schöne am englischen Detektivroman und all den englischen Fernsehserien, die draußen auf dem Land spielen, ist ja, dass sie eine längst vergangene <em>Englishness</em> konservieren.</p>
<div>
<div><a href="http://www.wearysloth.com/Gallery/ActorsD/4319.gif"><img src="http://www.wearysloth.com/Gallery/ActorsD/4319.gif" alt="" width="200" height="150" border="0" /></a></div>
<p>Wenn ein Ort eine Bibliothek hat, stehen die Chancen natürlich neunundneunzig zu eins, dass da eine Bibliothekarin arbeitet. Die Literatur ist voller <a href="http://valinor.ca/el3.htm">Bibliothekarinnen</a>. Aber in unserem Ort, der <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/St._Mary_Mead">St Mary Mead</a> heißt und in dem eine gewisse Jane Marple wohnt, haben sie einen Bibliothekar namens Mr Stringer. Den sucht man in den Romanen von Agatha Christie vergeblich. Die Krimiautorin mochte auch zuerst Margaret Rutherford nicht (denn sie hat nicht viel mit der Miss Marple der Romane gemein), später haben die Damen sich dan angefreundet. Und Agatha Christie hat ihren Roman <em>The Mirror Crack&#8217;d from Side to Side</em> mit der Widmung <em>To Margaret Rutherford, in admiration</em> versehen. In den Filmen, in denen Margaret Rutherford die Hauptrolle spielt, da kann Miss Marple auf Mr Stringer nicht verzichten. Weil sie im wirklichen Leben ein wenig verloren wäre ohne ihren Mr Stringer (die Vielzahl ihrer psychischen Krisen und Sanatoriumsaufenthalte ist erst nach ihrem Tod bekannt geworden). Miss Marple und Mr Stringer sind im wirklichen Leben miteinander verheiratet. Sieht man ihnen das in dieser <a href="http://www.tcm.com/mediaroom/video/353816/Murder-She-Said-Movie-Clip-The-Police-Think-I-m-Dotty.html">Szene</a> nicht an? Dame Margaret ist im wirklichen Leben nicht so <em>tough</em> gewesen wie ihre Miss Marple, ihre schreckliche Kindheit ist <a href="http://loomings-jay.blogspot.com/2010/06/broadmoor.html">hier</a> schon einmal erwähnt worden.</p>
<div><a href="http://www.britishmovieclassics.com/sites/tanmutton/_files/image/margaretandstringer.jpg"><img src="http://www.britishmovieclassics.com/sites/tanmutton/_files/image/margaretandstringer.jpg" alt="" width="200" height="130" border="0" /></a></div>
<p>Seit Edgar Allan Poe für seinen Detektiv einen <em>sidekick</em> erfunden hat, und seit Arthur Conan Doyle ihm diese Idee geklaut hat, haben viele Helden des Detektivromans jemanden, auf den sich immer verlassen können. Auch Agatha Christies Hercule Poirot hat seinen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Arthur_Hastings">Captain Hastings</a>. Da bietet es sich für den Film doch an, Margaret Rutherford diesen herrlich skurrilen James Buckley Stringer Davis an die Seite zu stellen. Denn was wären die Filme ohne ihn? Stringer Davis ist heute vor 38 Jahren gestorben, und ich nehme den Todestag mal zum Anlass, an all die Nebenfiguren zu denken, ohne die viele Filme nichts wären. Vielleicht unser Leben auch nicht.</p>
<p>W.H. Auden schliesst seinen Essay mit den Worten: <em>The phantasy, then, which the detective story addict indulges is the phantasy of being restored to the Garden of Eden, to a state of innocence, where he may know love as love and not as the law. The driving force behind this daydream is the feeling of guilt, the cause of which is unknown to the dreamer. The phantasy of escape is the same, whether one explains the guilt in Christian, Freudian, or any other terms. One’s way of trying to face the reality, on the other hand, will, of course, depend very much on one’s creed</em>. Das sind die Augenblicke, für die der Engländer diese wunderbare Formel <em>quite so</em> zur Hand hat. Ich möchte lieber mit einem Gedicht schliessen, das Auden ein Jahrzehnt vor <em>The guilty vicarage</em> schrieb. Es hat den schönen Titel <em>Detective Story</em>:</p>
<p><em>For who is ever quite without his landscape,<br />
The straggling village street, the house in trees,<br />
All near the church, or else the gloomy town house,<br />
The one with the Corinthian pillars, or<br />
The tiny workmanlike flat: in any case<br />
A home, the centre where the three or four things<br />
That happen to a man do happen? Yes,<br />
Who cannot draw the map of his life, shade in<br />
The little station where he meets his loves<br />
And says good-bye continually, and mark the spot<br />
Where the body of his happiness was first discovered?</em></p>
<p>An unknown tramp? A rich man? An enigma always<br />
And with a buried pastbut when the truth,<br />
The truth about our happiness comes out<br />
How much it owed to blackmail and philandering.</p>
<p>The rest&#8217;s traditional. All goes to plan:<br />
The feud between the local common sense<br />
And that exasperating brilliant intuition<br />
That&#8217;s always on the spot by chance before us;<br />
All goes to plan, both lying and confession,<br />
Down to the thrilling final chase, the kill.</p>
<p>Yet on the last page just a lingering doubt:<br />
That verdict, was it just? The judge&#8217;s nerves,<br />
That clue, that protestation from the gallows,<br />
And our own smile . . . why yes . . .<br />
But time is always killed. Someone must pay for<br />
Our loss of happiness, our happiness itself.<br />
<em><br />
</em><br />
Und falls Sie im Raum Köln wohnen und nach London wollen, um Agatha Christies <em>The Mousetrap</em> zu sehen (sollte man besser <em>Tourist Trap</em> taufen), dann nehmen Sie für die Reise doch einfach <a href="http://www.austin-oldtimer-koeln.de/">Mr. Stringer</a>.</p>
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		<title>Ian Fleming</title>
		<link>http://killerintherain.wordpress.com/2011/08/12/ian-fleming/</link>
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		<pubDate>Fri, 12 Aug 2011 08:02:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jay</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als ich vor Jahrzehnten der Freiin Gisela von Stolzenberg erzählte, dass ich etwas über den englischen Spionageroman schreiben wollte, sagte sie plötzlich: Der Ian kam ja aus einer guten Familie. Der Ian war natürlich Ian Fleming. Sie hatte ihn natürlich gekannt, so wie sie James Joyce, Eamon de Valera und Wystan H. Auden gekannt hatte. Leider hat sie [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=killerintherain.wordpress.com&amp;blog=23277434&amp;post=109&amp;subd=killerintherain&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
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<div><a href="http://ais.badische-zeitung.de/piece/00/bc/3e/f9/12336889.jpg"><img src="http://ais.badische-zeitung.de/piece/00/bc/3e/f9/12336889.jpg" alt="" width="160" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Als ich vor Jahrzehnten der Freiin Gisela von Stolzenberg erzählte, dass ich etwas über den englischen Spionageroman schreiben wollte, sagte sie plötzlich: <em>Der Ian kam ja aus einer guten Familie</em>. <em>Der Ian</em> war natürlich Ian Fleming. Sie hatte ihn natürlich gekannt, so wie sie James Joyce, Eamon de Valera und Wystan H. Auden gekannt hatte. Leider hat sie nie ihre Lebenserinnerungen aufgeschrieben. Als ich ihr das Kapitel über Ian Fleming schickte, schrieb sie mir: <em>Ich finde es schade, dass Ian sein schriftstellerisches Talent nicht für Besseres verwertete – aber das konnte er vielleicht nicht, denn er hatte es anfänglich versucht (vor dem Krieg). Da fehlte es ihm immer an Stoff. – Nach dem Krieg warf er sich das auf das, was ihm leicht fiel und was ihn amüsierte, und blieb dabei, weil es ihm Geld einbrachte. Geldnot hatte er zwar nie gekannt, denn er war aus reichem Hause</em>. So kurz und trocken hat niemand Ian Fleming beschrieben.</p>
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<div>Seine wichtigsten <em>saving graces,</em> so die Baronin, seien <em>der völlige Unernst und der gute Stil</em> gewesen. Vielleicht hat er das selbst auch so gesehen, als er Raymond Chandler schrieb: <em>Probably the fault about my books is that I don&#8217;t take them seriously enough&#8230; you after all write &#8220;novels of suspense&#8221; &#8211; if not sociological studies &#8211; whereas my books are straight pillow fantasies of the bang-bang, kiss-kiss variety</em>. Die <em>Times</em> plaziert ihn heute auf ihrer <a href="http://entertainment.timesonline.co.uk/tol/arts_and_entertainment/books/article3127837.ece">Liste der wichtigsten englischen Autoren nach 1945</a> auf Platz 14, sechs Plätze vor Anthony Powell. Aber natürlich gehörte der Autor von <em><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/A_Dance_to_the_Music_of_Time">A Dance to the Music of Time</a></em> (dessen erste Bände gleichzeitig mit den ersten James Bond Romanen erscheinen) eher auf Platz 1. Und Ian Fleming wäre sicher auf dem 50. Platz auch noch gut aufgehoben.</p>
<div><a href="http://josephgrinton.files.wordpress.com/2010/07/ian-fleming.jpg"><img src="http://josephgrinton.files.wordpress.com/2010/07/ian-fleming.jpg?w=165&#038;h=200" alt="" width="165" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Ian Flemings Bruder <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Fleming_(writer)">Peter</a> erscheint gar nicht auf der Liste, eigentlich ist der der bessere Schriftsteller von den beiden Brüdern. Hat sogar 1951 einen satirischen Spionageroman geschrieben, den er seinem Bruder widmete. Vielleicht hat das Ian auf den Geschmack gebracht. Sein erster Spionageroman<em> Casino Royale </em>erschien zwei Jahre nach Peter Flemings <em>The Sixth Column</em>. <em>Die sechste Kolonne</em> kam 1953 auf den deutschen Markt, der Übersetzer war kein Geringerer als Arno Schmidt. Vielleicht hätte der auch die James Bond Romane übersetzen sollen, denn die ersten deutschen Übersetzungen waren nicht so großartig. Es kümmerte die Verlage noch nicht so sehr, die ersten Bond Romane waren keine Sensation auf dem Markt. Das kann man sich heute, wo James Bond ein weltweiter Markenartikel geworden ist, kaum vorstellen.</p>
<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/08/casino-royale-ullstein-firstedition.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/08/casino-royale-ullstein-firstedition.jpg?w=200&#038;h=145" alt="" width="200" height="145" border="0" /></a></div>
<p><em>Casino Royale</em> war von einem Günther Eichel übersetzt worden, der in den fünfziger Jahren ein viel beschäftigter Übersetzer war, er übersetzte auch Eric Ambler und Henry Slesar. Und Agatha Christie. Seine Übersetzung ist sicherlich korrekt, trifft aber nicht den Ton und den Stil des Originals. Flemings Sprache ist einfacher, lakonischer, man hat das Gefühl, dass er viel Raymond Chandler gelesen hat (was er ja auch getan hat). Ich zitiere hier einmal zum Vergleich den Anfang von <em>Casino Royale</em>:</p>
<p><em>The scent and smoke and sweat of a casino are nauseating at three in the morning. Then the soul-erosion produced by high gambling – a compost of greed and fear and nervous tension – becomes unbearable and the senses awake and revolt from it.</em><br />
<em>   James Bond suddenly knew that he was tired. He always knew when his body or his mind had had enough and he always acted on the knowledge. This helped him to avoid staleness and the sensual bluntness that breeds mistakes. He shifted himself unobtrusively away from the roulette he had been playing and went to stand for a moment at the brass rail which surrounded breast-high the top table in the salle privee.</em></p>
<p><em>Um drei Uhr morgens ist der Geruch nach Parfüm, Rauch und Schweiß betäubend. Der Nervenverschleiß, den das Spielen um hohe Einsätze mit sich bringt und der sich aus der Summierung von Gier, Angst und nervöser Spannung ergibt, wird um diese Zeit unerträglich, und die Sinne er- wachen und revoltieren dagegen.<br />
James Bond wusste plötzlich, dass er erschöpft war. Er wusste immer, wenn Körper oder Geist genug hatten, und er richtete sich auch danach. Es half ihm, jegliche Überanstrengung zu vermeiden – aber auch jene gefühlsmäßige Dumpfheit, aus der die Fehler entstehen.<br />
Unauffällig verließ er den Rouletttisch, an dem er gespielt hatte, und blieb einen Augenblick an einem Messinggeländer stehen, das den Tisch im »Salle privée«, an dem um höchste Einsätze gespielt wurde, in Brusthöhe umgab.</em></p>
<p>Der erste Satz hatte Fleming Mühe gekostet. Aller Anfang ist schwer. Die erste Version hieß: <em>Scent and smoke and sweat hit the taste buds with an acid thwack at three o&#8217;clock in the morning</em>. Bei einem der Autoren der <em>Black Mask</em> hätte man das um 1930 durchgehen lassen, aber der junge Autor merkte selbst, dass das nix war. Viel zu bemüht, <em>colloquial</em> zu wirken. Die zweite Version war: <em>Scent and smoke and sweat can suddenly combine  together and hit the taste buds with an acid shock at three o&#8217;clock in the morning</em>. Eine lahme Ente von einem Satz. Aber irgendwann kam <em>The scent and smoke and sweat of a casino are nauseating at three in the morning, </em>und das ist es natürlich, ein einfacher, klarer Satz. Der aber auch durchscheinen lässt, dass der Autor sich in den Spielkasinos dieser Welt auskennt. Alle Sätze bei Ian Fleming handeln vom Sich Auskennen in dieser Welt.</p>
<div><a href="http://blogs.citypages.com/pscholtes/Casino%20Royale%20paperback%20book%201953.jpg"><img src="http://blogs.citypages.com/pscholtes/Casino%20Royale%20paperback%20book%201953.jpg" alt="" width="125" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Nicht in der wirklichen Welt, auch nicht in der Welt Chandlers, nicht <em>down these mean streets a man must go</em>. Flemings Kunstfigur 007 lebt in einer künstlichen Welt. Es ist eine Welt der Namen. Namen von Clubs, Savile Row Schneidern und Jermyn Street Firmen, Automarken, Spielcasinos. Wir erfahren alles über die Getränke der fünfziger Jahre, als ein Martini (<em>shaken, not stirred</em>) eine tolle Sache war. Das Nennen von Markennamen, feinen Adressen und Weinjahrgängen ist noch nicht so ausgereizt wie in Bret Easton Ellis&#8217;<em>American Psycho</em>, aber wir sind auf dem Weg dahin. Romane, die Adressbuch, <em>Who&#8217;s Who</em>, Reiseführer und Werbeprospekt in einem sind, hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Obgleich <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Boileau-Narcejac">Boileau/Narcejac</a> das auch schon im französischen Krimi Jahre vor Ian Fleming beobachtet haben wollen.</p>
<p>Alles, was der Leser Anfang der fünfziger Jahre in diesen Romanen ersehnenswert fand, ist nicht nur die Welt von James Bond, es ist auch die Welt von Ian Fleming. Die Welt eines <em>upper class</em> Engländers, der nie in seinem Leben etwas richtig hinbekommen hatte. In Eton rausgeflogen, das Gleiche an der Offiziersakademie von Sandhurst. Den Höhepunkt seines Lebens hat er als Reserveoffizier der Marine während des Zweiten Weltkriegs, eine Position, die er auch nur seinen gesellschaftlichen Verbindungen verdankt. Andrew Lycett überschreibt das entsprechende Kapitel seiner Biographie mit dem Titel <em>Chocolate Soldier</em>. Er wird den Dienstgrad <em>Commander</em> (wie James Bond) erreichen, und er wird beim Geheimdienst tätig sein (wie James Bond). Und er wird sich die wildesten Geschichten ausdenken. Wie später in seinen Romanen.</p>
<p>Der renommierte Kritiker Anthony Boucher (der seit 1937 selbst Krimis schrieb) sagte in der <em>New York Times</em>: <em>Fleming, in a style suggesting a more literate version of Cheyney&#8217;s &#8220;Dark&#8221; series, manages to make baccarat clear even to one who&#8217;s never played it and produced as exciting a gambling sequence as I&#8217;ve ever read. But then he decides to pad out the book to novel length and leads the weary reader through a set of tough clichés to an ending which surprises nobody save Operative 007. You should certainly begin this book; but you might as well stop when the baccarat game is over.</em> Anthony Boucher war nicht der einzige Kritiker, der die Romane von Peter Cheney erwähnte. Französische Kritiker hielten James Bond schlichtweg für ein Plagiat der Romanfigur Hubert Bonisseur de la Bath (Agent OSS 117) von <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jean_Bruce">Jean Bruce.</a> Von dem hat Bond ja eine ganze Menge Eigenschaften, auch seine Dienstnummer klingt ähnlich. Bond Fans werden mich jetzt wahrscheinlich hassen, aber ich glaube, für Fleming war der erste Roman ein literarischer Spaß. Da machte es nichts, dass er sich hemmungslos bei jener populären Literatur bediente, die uns Helden<em>larger than life</em> serviert.</p>
<p>Für den Ullstein Verlag war der Playboy des englischen Geheimdienstes (der im gleichen Jahr wie Hugh Hefners <em>Playboy</em> das Licht der Welt entdeckt hatte) 1960 noch kein Markenzeichen, kein <em>cultural hero</em>, mit dem man werben konnte. So hieß es auf dem Buchrücken der deutschen Erstausgabe (<em>Erstmalig in deutscher Sprache!</em> stand vorne drauf): <em>Casino Royale [ist] eine der harten, im amerikanischen Stil geschriebenen, abenteuerlichen Stories, mit denen der englische Autor Ian Fleming sich seinen Platz in der ersten Reihe der beliebtesten Kriminalautoren gesichert hat.</em> Auf die Verwandtschaft zur amerikanischen <em>hard-boiled school </em>hatte Fleming selbst in einer Vielzahl von Interviews hingewiesen: <em>I wanted my hero to be entirely an anonymous instrument and to let the action of the book carry him along. I didn’t believe in the heroic Bulldog Drummond types. I mean, rather, I didn’t believe that they could any longer exist in literature. I wanted this man more or less to follow the pattern of Raymond Chandler’s or Dashiell Hammett’s heroes—believable people, believable heroes</em>.</p>
<p>Aber ist James Bond wirklich <em>believable</em>? Der Held der ersten Roman, kalt und grausam (Fleming hat die Figur später leicht verändert), scheint eher aus der Mottenkiste der <em>gothic novel</em> zu kommen, er hat in seinem Narzissmus etwas vom <em>Byronic hero</em> an sich. Fleming hat seinen Helden nicht so sehr gemocht, <em>that cardboard booby</em> hat er ihn genannt. Und in einem ➱<a href="http://fivedials.com/files/fivedials_no7.pdf">Gespräch</a> mit Raymond Chandler sagte er 1958: <em>Your hero, Philip Marlowe, is a real hero. He behaves in a heroic fashion. I never intended my leading character, James Bond, to be a hero. I intended him to be a sort of blunt instrument wielded by a government department who would get into bizarre and fantastic situations and more or less shoot his way out of them, or get out of them one way or another. But of course he’s always referred to as my hero. I don’t see him as a hero myself. On the whole I think he’s a rather unattractive man</em>..</p>
<div><a href="http://27.media.tumblr.com/tumblr_l4fgl1wBO51qzgst6o1_500.jpg"><img src="http://27.media.tumblr.com/tumblr_l4fgl1wBO51qzgst6o1_500.jpg" alt="" width="200" height="153" border="0" /></a></div>
<p>Fleming ist mit einem gewissen Unernst an das Schreiben seines ersten Romans herangegangen (aber bei allem Unernst: er hat wie sein Geschöpf James Bond keinerlei Humor). Den Roman hat er in einem Stück, jeden Tag 2.000 Wörter, auf seiner Schreibmaschine in dem gerade gekauften Haus <em>Goldeneye</em> auf Jamaica getippt. Er hat <em>Casino Royale</em> geschrieben, weil er sich langweilte, das Schreiben war <em>roughly the equivalent of digging a very large hole in the garden for the sake of exercise</em>, wie er einem Freund anvertraute Das Manuskript hat er mit seinem Füllfederhalter durchkorrigiert und sich später in blauem Maroquinleder binden lassen. Sechs Tage vor seiner Hochzeit mit Lady Anne Rothermere war er mit dem Roman fertig. Er wusste nicht einmal, ob er das Ganze veröffentlichen sollte, aber sein Freund <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/William_Plomer">William Plomer</a>, der als Berater für den Jonathan Cape Verlag (der auch Peter Flemings Verlag war) arbeitete, hat ihn dazu überredet. Der Rest ist Geschichte. Als er mit dem Roman fertig war, hat er sich &#8211; das ist sicherlich eine symbolische Handlung &#8211; bei der <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Royal_Typewriter_Company">Royal Typewriter Company</a> in New York für 174 Dollar eine goldüberzogene Schreibmaschine bestellt. Die er zuerst sorgfältig wegschloss. Die Schreibmaschine wurde 1995 für 56.250 £ bei  Christie&#8217;s in London verkauft. Hemingways Schreibmaschine (auch von der Royal Typewriter Company) brachte vor vier Jahren nur 2.750 Dollar. War aber nicht vergoldet.</p>
<p>Ian Lancaster Fleming, der Schöpfer von James Bond, einer Figur, die längst nichts mehr mit den ersten Romanen zu tun hat, ist heute vor 47 Jahren gestorben. Seine Schöpfung lebt noch immer, auch wenn sie immer wieder andere Formen annimmt.</p>
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		<title>Kyritz an der Knatter</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 15:31:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jay</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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<div><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/29/Kyritz_NICHTS.jpg"><img src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/29/Kyritz_NICHTS.jpg" alt="" width="200" height="143" border="0" /></a></div>
<div>Falls Sie jetzt zu googeln anfangen, den Ort gibt es wirklich. Die sind da auch ganz witzig, weil sie einen Gedenkstein haben, der daran erinnert, dass hier am 14.2.1842 um 10.57 auf dem Marktplatz NICHTS geschah. Die hatten da auch ein Lügenmuseum in dem Ort, hat sich aber finanziell nicht getragen. Wenn all die Lügner in der deutschen Politik da gespendet hätten, hätte es für das Museum keinen finanziellen Probleme gegeben. Irgendwie bietet sich Kyritz an der Knatter als Geburtsort von Nikolaus Kuno Freiherr von Knatter geradezu an. Doch. Sie kennen ihn auch. Vielleicht eher unter dem schönen Namen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nick_Knatterton">Nick Knatterton</a>. Erfunden von Manfred Schmidt (heute vor zwölf Jahren gestorben), begann der Detektiv seine Karriere vor 61 Jahren in der <em>Quick</em>.</p>
<div><a href="http://www.physiologus.de/bilder/doppelg.gif"><img src="http://www.physiologus.de/bilder/doppelg.gif" alt="" width="320" height="83" border="0" /></a></div>
<p>Deutsche Comics sind ja normalerweise nicht so witzig, dieser war witzig. Und sparte nicht mit satirischen Seitenhieben auf Politiker der jungen Bundesrepublik. Wenn man damals mit Nick Knatterton aufgewachsen war, landete man  ein Jahrzehnt später bei Lemmy Caution. Also dem wirklichen Lemmy Caution, vor Godards <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lemmy_Caution_gegen_Alpha_60">Alphaville</a></em>. Lemmy Caution war schon witzig, vor allem wenn er im <em>Regina</em> in der Nachtvorstellung lief und die halbe Uni im Kino war und den Film kommentierte. Später musste man sich dann mit James Bond begnügen, aber irgendwie waren Nick Knatterton und Lemmy Caution witziger.</p>
<p>Das 19. Jahrhundert hat den <em>Great Detective</em> erfunden, also diese Übermenschen wie Auguste Dupin oder Sherlock Holmes, die auch ein Nebenprodukt der Wissenschaftsbesessenheit des Jahrhunderts sind, wie der Franzose Régis Messac 1929 in seinem Buch <em>Le Detective novel et l’influence de la pensée scientifique</em> scharfsinnig gezeigt hat. Die Amerikaner dachten sich irgendwann, nachdem sie jahrzehntelang den englischen Detektivroman imitiert hatten (und das tut Elizabeth George ja heute noch), dass das Krimigenre ein wenig <em>action</em>gebrauchen könnte und die <em><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Armchair_detective">armchair detectives</a></em> mal ihren Sessel verlassen sollten. Das war der Anfang von Hammett und Chandler. Und irgendwann hatten wir dann keine Gentleman Detektive mehr, sondern hatten Mickey Spillanes Helden Mike Hammer und <em>I, the Jury</em>.</p>
<div><a href="http://www.physiologus.de/bilder/det1.gif"><img src="http://www.physiologus.de/bilder/det1.gif" alt="" width="200" height="179" border="0" /></a></div>
<p>1950 begann der Meisterdetektiv Baron Nick Knatterton auf den Seiten der Illustrierten <em>Quick</em> zu ermitteln. Gleichzeitig gab es im Radio noch einen anderen<em>Meisterdetektiv</em>. Der hieß Kalle Blomquist und war ein wenig jünger als der alterslose Mann mit der karierten Schirmmütze. Damals wußte man in Deutschland noch nicht so viel vom englischsprachigen Detektivroman. <a href="http://loomings-jay.blogspot.com/2010/05/sir-arthur-conan-doyle.html">Sherlock Holmes</a> kannte man, der war schon zur Zeit von Wilhelm II. nach Deutschland gekommen (ebenso wie <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Nick_Carter_(literary_character)">Nick Carter</a>). Und erstaunlicherweise hat es schon 1914 in Deutschland die erste Doktorarbeit zu dem Thema gegeben, Friedrich Depkens <em>Sherlock Holmes, Raffles und ihre Vorbilder. Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte und Technik der Kriminalerzählung</em>. Bei der Anglomanie der Bremer musste eine solche Arbeit natürlich aus Bremen kommen. Sie war bei Professor <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Hoops">Johannes Hoops</a> (aus Bremen) in Heidelberg geschrieben worden, dessen Nachruf (und den Artikel in der<em>Bremischen Biographie 1912-1962</em>) der Bremer Studienrat Depken eines Tages schreiben würde.</p>
<div><a href="http://kulturschnitte.de/Sherlock/Bilder/Schauspieler/Hans-Albers.jpg"><img src="http://kulturschnitte.de/Sherlock/Bilder/Schauspieler/Hans-Albers.jpg" alt="" width="146" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Im Jahre 1950 kannten die meisten Deutschen den Sherlock Holmes vielleicht nur noch in der Personifizierung von Hans Albers aus dem Film <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Mann,_der_Sherlock_Holmes_war">Der Mann, der Sherlock Holmes war</a></em>. Den sich dann Manfred Schmidt als ein Vorbild seiner Figur genommen hat. Manfred Schmidt ist übrigens auch in Bremen aufgewachsen &#8211; es wäre jetzt eine schöne Spekulation, ob er mal Dr. Friedrich Depken als Lehrer gehabt hat &#8211; und er zeichnete schon als Jugendlicher Bildergeschichten für die <em>Bremer Nachrichten</em>. Die natürlich bestimmt noch nicht so pointenreich und witzig waren wie Nick Knatterton. Eigentlich war die Figur nur als Satire erfunden, <em>um die in Deutschland aufkommenden Comics vom Supermann zu parodieren und so lächerlich zu machen, daß den Lesern der Spaß an dieser Schwachsinnsliteratur verging</em>, hat Manfred Schmidt gesagt. Das ging nun völlig daneben, die erste Bildergeschichte weckte den Appetit auf mehr. Die Leser <em>zwangen dem Autor wieder den Stift in die Hand</em>. Und der beklagte sich: <em>Das heißt, daß ich ihn Folge für Folge weiterzeichnen mußte, zehn volle Jahre lang. Mein Widerwillen gegen diese Tätigkeit wurde so groß, daß meine Hand eines Tages zurückzuckte, wenn sie sich mit dem Bleistift einem Stück Papier näherte</em>.</p>
<p><em>Kombiniere, </em>hätte der Meisterdetektiv gesagt:<em> </em>Davon glauben wir nun kein Wort, das ist sicher wieder so eine verschmidtste Übertreibung.</p>
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		<title>Eric Ambler</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Jun 2011 08:31:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jay</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nein, das ist natürlich nicht Eric Ambler. Aber Peter Paul Rubens hat heute auch Geburtstag. Über den hätte ich auch schreiben können, doch zu dem fällt mir nichts ein. Ich mag ihn nicht, obgleich ich weiß, dass er ein großer Maler ist. Das letzte Mal, als ich etwas zu Rubens gesagt habe, hat mich eine [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=killerintherain.wordpress.com&amp;blog=23277434&amp;post=95&amp;subd=killerintherain&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
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<div><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/66/Rubens_self_portrait.jpg?uselang=de"><img src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/66/Rubens_self_portrait.jpg?uselang=de" alt="" width="145" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Nein, das ist natürlich nicht Eric Ambler. Aber Peter Paul Rubens hat heute auch Geburtstag. Über den hätte ich auch schreiben können, doch zu dem fällt mir nichts ein. Ich mag ihn nicht, obgleich ich weiß, dass er ein großer Maler ist. Das letzte Mal, als ich etwas zu Rubens gesagt habe, hat mich eine ganze Gruppe von Touristen feindselig angestarrt. <em>Geht ihr schon mal vor zu den fetten Weibern, ich guck mir noch mal die kleinen Affen an</em>, hab ich zu Carola und Jimmy im Dahlemer Museum gesagt. Ich wollte mir noch einmal die wunderbaren kleinen Äffchen von <a href="http://www.gemaelde-webkatalog.de/bilddaten/std2/pieter-ae-d-bruegel-zwei-affen-01055.jpg">Brueghel</a> anschauen und den Saal mit den voluminösen Schönheiten von Rubens vermeiden. Wenn Sie von mir etwas anderes als <em>fette</em> Weiber zu Rubens hören wollen, kann ich nur Simon Schamas hervorragendes Buch <em>Rembrandt&#8217;s Eyes</em> empfehlen, das auch ein sehr gutes Kapitel über Rubens hat.</p>
<div><a href="http://www.diogenes.ch/media/author_portraits/130_175/700052122.jpg"><img src="http://www.diogenes.ch/media/author_portraits/130_175/700052122.jpg" alt="" border="0" /></a></div>
<p>Eric Ambler, der heute vor 102 Jahren geboren wurde, gilt als einer der Begründer des englischen <em>thriller.</em> Für manche ist er der Erfinder dieser Gattung. Das ist nicht so ganz richtig, weil es vor ihm schon John Buchan gegeben hat, an dessen Roman <em>The Thirty-Nine Steps</em> man natürlich nicht vorbeikommt, wenn man sich mit dem <a href="http://loomings-jay.blogspot.com/2010/06/secret-agents.html">Genre</a> beschäftigt. Ambler übernimmt von Buchan die Figur des außenstehenden Jedermanns, der (wie Richard Hannay) plötzlich in internationale Intrigen hineingezogen wird. Und auch das Element von<em>flight and pursuit</em>, das wir aus <em>The Thirty-Nine Steps</em> kennen, setzt er zum Beispiel im letzten Drittel von <em><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Cause_for_Alarm_(novel)">Cause for Alarm</a></em> effektiv ein. Anders als bei Buchan ist allerdings, dass seine Helden nicht mehr das spätviktorianische englische Empire in England oder Schottland retten, sondern sich in der Zeit des aufblühenden Faschismus in Europa bewähren müssen. Buchans Ideologie in den Richard Hannay Romanen war systemstabilisierend, so wie Richard Hannay der perfekte englische Gentleman war. Ambler schreibt politische Thriller gegen den Faschismus.</p>
<p>Eric Ambler ist allerdings der erste, der sich als Autor professionell mit dem Genre beschäftigt, alle anderen, die zuvor auch Spionageromane schrieben, waren Gentlemen, die das nebenbei betrieben. Ambler war auch einer der wenigen, der keinen Secret Service Background hatte. Denn die meisten englischen Autoren, die über die Welt der Spionage schrieben, waren für den Geheimdienst tätig gewesen: John Buchan, Compton Mackenzie, Graham Greene, Ian Fleming, John le Carré. Um das wettzumachen, legte Ambler sehr viel Wert auf genaueste Recherche. Aber er schrieb (wie Buchan) für den normalen Leser, seine literarischen Ambitionen waren nicht sehr hochgesteckt: <em>In my writing, I&#8217;m not trying to reach for intelligent scholars but people who read books and people who go to the movies. Of course, most serious novels have some relevance in a social context</em>.</p>
<div><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/2/29/CauseForAlarm.JPG"><img src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/2/29/CauseForAlarm.JPG" alt="" width="141" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Die besten Romane von Eric Ambler sind zweifellos seine ersten wie <em>The Dark Frontier</em>, <em>Uncommon Danger</em>, <em>Cause for Alarm</em> und <em>The Mask of Dimitrios</em>. Allerdings muss man ihm bescheinigen, dass er in seiner langen Karriere durchgehend ein hohes Niveau bewahrt hat. Ein Zeichen dafür ist auch, dass es seine Romane in deutscher Übersetzung nicht bei Goldmann sondern bei Diogenes gibt. Gerd Haffmanns, damals noch bei Diogenes, hat einmal einen interessanten Band <em>Über Eric Ambler</em> herausgebracht. Kann man heute ab 0,01 € bei Amazon Marketplace bekommen. Lohnt unbedingt. Und dann gibt es bei Diogenes neben einer Biographie von Stefan Howald noch die Autobiographie <em>Ambler by Ambler</em>, die im Original den doppeldeutigen Titel <em>Here lies Eric Ambler</em> hat.</p>
<div> Ursprünglich war Ambler kein Diogenes Autor, seine Bücher sind nach dem Krieg in zum Teil sehr schlechten Übersetzungen bei einem halben Dutzend Verlage erschienen. Einer dieser Verlage war der heute vergessene Nest-Verlag in Nürnberg, bei dem im Rahmen der <em>Krähen Bücher</em> nach dem Krieg ein erstaunliches Programm von Krimis auf den Markt kam. Von Allingham und Ambler über Chandler bis Dorothy Sayers. Da waren Goldmann, Heyne und Ullstein eines Tages sehr dankbar, als dieser kleine Verlag aufgab. Wenn Sie Krimi Fan sind, sollte Sie dieses kurze ➱<a href="http://www.classicrimes.homepage.t-online.de/kraehen.htm">Verlagsporträt</a> unbedingt lesen.</div>
<div><a href="http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/nachlass/img/FA139154.jpg"><img src="http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/nachlass/img/FA139154.jpg" alt="" border="0" /></a></div>
<p>Der Verlagsgründer des Nest-Verlags Karl Anders (links) heißt in Wirklichkeit <a href="http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/nachlass/nachlass_a/anders-ka.htm">Kurt Wilhelm Naumann</a>, er ist vor den Nazis nach England geflohen. Dank seiner Verbindungen zu englischen Verlegern kann er nach dem Kriege dieses qualitativ erstaunliche Krimiprogramm auflegen. Und so erscheint der Engländer, der Krimis gegen den Faschismus geschrieben hat, im Verlag eines deutschen Antifaschisten. Anders schreibt sogar über den Kriminalroman (in <em>Bücherei und Bildung</em> 5/6 [1952], S. 509-518), ein Beitrag, der in vielen Anthologien nachgedruckt wurde. Und er überredet den Münchener Anglisten Fritz Wölcken, seine Habilitationsschrift doch in seinem Verlag zu veröffentlichen. Wölcken (beinahe gleich alt wie Ambler) hatte einen ähnlich erstaunlichen Lebensweg wie Anders-Naumann.</p>
<p>In China als Sohn eines deutschen Kaufmanns geboren und aufgewachsen, hatte er dort ein vorzügliches Englisch gelernt. Was ihn zu einem Außenseiter unter deutschen Anglistikprofessoren machte (die waren zu Zeiten meines Studiums noch stolz darauf, dass sie die Sprache nicht wirklich sprechen konnten). Dann Abitur in Deutschland, aber erst kein Studium, sondern eine Verlagslehre. Später Studium und Promotion bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Gundolf">Friedrich Gundolf</a>. Vielleicht ist er da Joseph Goebbels begegnet, der ja auch mal bei Gundolf promovieren wollte. Danach war Wölcken an der Odenwaldschule, das darf man ja heute gar nicht mehr erwähnen, aber damals galt das als der Gral der Reformpädagogik. Danach durch Empfehlung von <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Herbert_John_Clifford_Grierson">Herbert Grierson</a> Stellen in Edinburgh und Aberdeen, 1937 ein PhD an der Uni Edinburgh. Als er nach Deutschland zurückkommt, weiß er, dass er unter den Nazis keine Chance auf eine Unilaufbahn hat, und so arbeitete er wieder im Buchhandel. Nach Kriegsende arbeitet er in München für die amerikanische Militärverwaltung und bekommt schnell einen Lehrauftrag an der Uni München.</p>
<p>Und schreibt dann <em>Der Literarische Mord: eine Untersuchung über die englische und amerikanische Detektivliteratur.</em> Das war die zweite akademische Arbeit über den englischen Krimi in Deutschland in dem Jahrhundert. 1914 (ein Jahr bevor <em>The Thirty-Nine Steps</em> erscheint) hatte Fritz Depken seine Dissertation <em>Sherlock Holmes, Raffles und ihre Vorbilder</em> veröffentlicht. Wölckens Werk blieb lange Zeit ein Standardwerk, auch aus dem simplen Grund, weil es außer ihm lange Zeit kein deutscher Universitätsanglist gewagt hatte, seine Reputation durch ein Buch über den Krimi zu gefährden. Das galt in akademischen Kreisen damals als Igitt. Hat sich inzwischen geändert.</p>
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<div><a href="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/06/25bf25a425b825ae25be25f9_25be25ee25c025ad-eric_ambler_1952.jpg"><img src="http://killerintherain.files.wordpress.com/2011/06/25bf25a425b825ae25be25f9_25be25ee25c025ad-eric_ambler_1952.jpg?w=131&#038;h=200" alt="" width="131" height="200" border="0" /></a></div>
<p>Diogenes Chef Daniel Keel war durch seinen Mitarbeiter Heinrich Stolz auf Ambler aufmerksam gemacht worden, der dem Verlag im gleichen Jahr (1967) als man Eric Ambler als Autor gewann auch noch Alfred Andersch zuführte. Man war bei Diogenes mit den Übersetzungen nie so recht glücklich gewesen und entschloss sich in den neunziger Jahren, die Übersetzungen radikal zu überarbeiten oder ganze Romane neu übersetzen zu lassen. Denn vieles was nach dem Krieg aus dem Englischen übersetzt worden ist, bedeutete für den jeweiligen Übersetzer Geld zum Überleben, auf literarische Qualitäten wurde nicht so geachtet. Wenn der Name des Übersetzers überhaupt im Buch auftauchte, wurde er sehr klein gedruckt. Häufig fragt man sich, was für Schicksale hinter diesen Übersetzungen stehen. Was bewegt eine klassische Philologin wie Dr. Helene Homeyer, 1947 für den Hera Verlag in Berlin Dorothy Sayers<em>The Nine Tailors</em> zu übersetzen? Diesen Nachkriegsverhältnissen verdanken wir ja auch einige sehr seltsame <em>Moby-Dick</em> Übersetzungen. Und auch in den Jahren darauf sind die Bedingungen für Übersetzer von englischen Krimis nicht gut. Verlage zahlen für Krimiübersetzungen sehr wenig, ich weiß das von Freunden, die während ihres Studiums Krimis übersetzt haben (meist unter einem Pseudonym).</p>
<div><a href="http://ecx.images-amazon.com/images/I/51dwOjmwrJL._SL160_AA115_.jpg"><img src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/51dwOjmwrJL._SL160_AA115_.jpg" alt="" border="0" /></a></div>
<p>Aber das wurde jetzt bei Diogenes alles anders.<em>Wie es sich für einen Klassiker gehört</em>, urteilte Paul Ingendaay in der <em>Frankfurter Allgemeinen</em> über die neuen Übersetzungen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass zur gleichen Zeit auf dem englischen Markt kein Buch von Ambler mehr lieferbar war. <em>The Care of Time</em>hatte er im Streit mit seinem Lektor zurückgezogen, weil der ohne ihn zu fragen am Manuskript herumgedoktert hatte. Auf die Frage eines Interviewers, ob er das nicht bereue, antwortete er trocken: <em>In der Zwischenzeit bin ich offenbar in Deutschland ein großer Erfolg</em>. Da war er auch längst mit seiner zweiten Frau Joan Harrison (der engsten Mitarbeiterin von Hitchcock) in die Schweiz gezogen. Vielleicht waren ihm seine Romane auch längst egal, ich glaube, dass er mehr Geld mit dem Schreiben von Drehbüchern verdient hat. <em>Why do I write? Because I enjoy it&#8211;I don&#8217;t really need the money</em>, hat er in einem Interview gesagt.</p>
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<div><a href="http://images.newstatesman.com/articles/2009/1050/20090625_2509ambler_w.jpg"><img src="http://images.newstatesman.com/articles/2009/1050/20090625_2509ambler_w.jpg" alt="" width="200" height="127" border="0" /></a></div>
<p><em>Warum nicht den Thriller verändern, etwas Intelligentes, etwas Kulturelles daraus machen?</em> hat Ambler einmal gesagt. Und das hat der Gentleman mit den guten Manieren getan, der alle Romane mit dem Füllfederhalter geschrieben hat, stets mit dreiteiligem Anzug bekleidet. Irgendwie merkt man das den Romanen an. Wenn man Klassiker des Genres schreibt, dann geht das nur mit dem Füllfederhalter und mit Anzug und Weste. Aber dieser Gentleman mit den guten Manieren ist immer wieder in der Lage, sich (und uns) in seine Romanfiguren hineinzuversetzen. Die nicht so gute Manieren haben: <em>Ich hatte keine andere Wahl: Wenn mich die türkische Polizei nicht verhaftet hätte, so hätte mich die griechische hinter Schloss und Riegel gebracht. Ich musste tun, was Harper mir befahl. Dieser Harper war schuld an allem, was später geschah… </em>Das ist der Anfang von <em>The Light of Day</em>. Wir kennen es als <em>Topkapi</em>, und wir haben den schwitzenden Peter Ustinov (den Ambler gut kannte) mit seinem angeschmuddelten <a href="http://loomings-jay.blogspot.com/2011/05/royal-flying-corps.html">Old Etonian</a> Schlips vor Augen. Ambler ist ein Meister der Verstellung, der Gentleman mit den eleganten Anzügen und dem Füllfederhalter ist nur eine Maske des Meisters der Täuschung.</p>
<p>Zum hundertsten Todestag Amblers im Jahre 2009 hat Penguin die frühen Romane <em>Journey into Fear</em>, <em>Uncommon Danger</em>, <em>Cause for Alarm</em>, <em>The Mask of Dimitrios</em> und <em>Epitaph for a Spy</em> wieder auf den Markt gebracht. Wurde ja auch Zeit. <em>Thrillers… really say more about the way people think and governments behave than many of the conventional novels</em>, hat Ambler der <em>The New York Times</em> in einem Interview 1981 gesagt. <em>A hundred years from now, if they last, these books may offer some clues to what was going on in our world</em>. Für die frühen Ambler Romane gilt das unbedingt.</p>
<div><a href="http://www.kruegerbooks.com/books/sig/ambler.jpg"><img src="http://www.kruegerbooks.com/books/sig/ambler.jpg" alt="" width="200" height="51" border="0" /></a></div>
<p>Ambler hat in einem Interview auf die Frage, ob man seine Romane nun als <em>thrillers</em>,<em>intrigue</em> oder <em>suspense</em>kategorisieren sollte, geäußert: <em>I don&#8217;t like the word suspense as an adjective. Any novel needs suspense. Graham Greene once labeled his thrillers &#8220;entertainments&#8221;, as if to tell the reader they weren&#8217;t as important as his novels. I remember talking with Graham about his invention of the word. He had wanted to write his thrillers under a pseudonym. Okay, his publisher told him, in that case I&#8217;ll give you half the usual advance. Oh, Graham replied, and dropped the idea of using another name and created the word &#8220;entertainment&#8221; to differentiate them from his other books. It&#8217;s interesting to note that in his collected edition, Graham took off that label. And, as a matter of fact, by now I can&#8217;t tell which are &#8220;entertainments&#8221; and which are not&#8211;they&#8217;re all Greene</em>. Wie Graham Greene hat es Ambler in seinen besten Romanen geschafft, dass sich die klar gezeichneten Grenzen zwischen einem &#8220;seriösen&#8221; Roman und dem Thriller aufheben.</p>
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		<title>Tatort</title>
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		<pubDate>Tue, 24 May 2011 09:47:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jay</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Böse ist immer und überall! sang vor Jahren die Erste Allgemeine Verunsicherung. Wir wissen das natürlich längst, weil wir seit vierzig Jahren den Tatort haben. Früher war es ein nationales Ereignis, wenn sonntags ein Tatort-Kommissar ermittelte, heute guckt da schon keiner mehr hin. Höchstens bei Thiel und Boerne in Münster. Es gibt zuviel Tatorte, zuviel Kommissare. Und das Qualitätssiegel, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=killerintherain.wordpress.com&amp;blog=23277434&amp;post=91&amp;subd=killerintherain&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2><span style="font-size:small;"><span class="Apple-style-span" style="font-size:13px;font-weight:normal;"><span style="font-size:x-large;"><span class="Apple-style-span" style="font-size:20px;"><strong><img class="aligncenter" src="http://novinkiblog.files.wordpress.com/2011/05/tatort_desktop_1024_768_1.jpg?w=221&#038;h=166" alt="" width="221" height="166" /></strong></span></span></span></span></h2>
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<div id="post-body-7515300275718831666"><em>Das Böse ist immer und überall!</em> sang vor Jahren die Erste Allgemeine Verunsicherung. Wir wissen das natürlich längst, weil wir seit vierzig Jahren den <em>Tatort</em> haben. Früher war es ein nationales Ereignis, wenn sonntags ein <em>Tatort</em>-Kommissar ermittelte, heute guckt da schon keiner mehr hin. Höchstens bei Thiel und Boerne in Münster. Es gibt zuviel <em>Tatorte</em>, zuviel Kommissare. Und das Qualitätssiegel, das die ersten Sendungen trugen, ist längst abgelaufen. In der DDR hatten sie keinen <em>Tatort</em>, da hatten sie den <em>Polizeiruf 110</em>. Nach der Wende bekamen wir den auch. Wobei der aus Schwerin mit Uwe Steimle und Kurt Böwe der beste war. Böwe krönte damit auch seine schauspielerische Karriere, deren beste Filme man hierzulande kaum sehen konnte. Filme wie Konrad Wolfs <em>Ich war Neunzehn</em> oder D<em>er nackte Mann auf dem Sportplatz</em>. Gute Schauspieler im <em>Tatort</em> sind heute rar, und wenn man einem Serienstar heute eine Pistole und einen Dienstausweis in die Hand drückt, dann ist das ja eher das berufliche Abstellgleis. Statt Rente <em>Tatort</em>-Kommissar, oder Kommissar in irgendeiner der anderen Krimisendungen, die die ganze Woche über laufen. Sogar Iris Berben war schon Polizistin, Veronica Ferres auch. Nur Ingrid Steeger noch nicht. Vielleicht kommt das ja noch.</p>
<div><a href="http://www.tvdb.info/gfx/epg/040/0406052335110000.jpg"><img src="http://www.tvdb.info/gfx/epg/040/0406052335110000.jpg" alt="" border="0" /></a></div>
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<div>Bevor wir den <em>Tatort</em> hatten, hatten wir <em>Stahlnetz</em> im Fernsehen. 22 Folgen in zehn Jahren. Das war noch seriöses Handwerk, alle Drehbücher von Wolfgang Menge, Regie Jürgen Roland. Und alles in schwarz-weiß. Links ist Rudolf Platte als Oberkommissar Roggenburg in <em>Das Haus an der Stör</em>, wahrscheinlich dem berühmtesten Film aus der Reihe. Die Filme waren noch sehr langsam, hatten nichts von der heutigen Hektik in Schnitt und Einstellung. Zeigten aber ein Bild der bundesrepublikanischen Wirklichkeit. Und sie beruhten auf wahren Fällen, und wahre Fälle sind immer langweiliger und mühseliger als das, was uns heute im Tatort aufgetischt wird. Warum sind wir so begierig, das alles zu sehen?</div>
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<div><a href="http://www.alligatorpapiere.de/images/tatort-logos.jpg"><img src="http://www.alligatorpapiere.de/images/tatort-logos.jpg" alt="" width="200" height="148" border="0" /></a></div>
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<div>In diesen Tagen hat ja beinahe jede Zeitung einen Bericht über vierzig Jahre Tatort. Mit Bildern von allen <em>Tatort</em>-Kommissaren, ich gucke die an, und ich kenne sie nicht. Ich kenne die Namen der Schauspieler, aber ich weiß, dass ich sie nie als Kommissare in Aktion im Ersten Deutschen Fernsehen gesehen habe. Weil da viele dabei sind, die ich für unerträglich halte. Hätte ich mir nicht mal aus beruflichen Gründen angeguckt, damals, als ich noch wissenschaftliches Zeug über den Krimi schrieb. Selbst schrottige Edgar Wallatze Filme sind häufig noch besser als das Elend vieler <em>Tatort </em>Folgen. Die wirklich erinnerungswerten <em>Tatort</em> Filme hießen <em>Kressin stoppt den Nordexpress</em> (Drehbuch: Wolfgang Menge) und all die, die den Namen <em>Trimmel</em> im Titel hatten oder den Hamburger Hauptkommissar Paul Trimmel das Verbrechen bekämpfen liessen.</div>
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<div><a href="http://tatort-fans.de/wp-content/uploads/2008/04/trimmel.jpg"><img src="http://tatort-fans.de/wp-content/uploads/2008/04/trimmel.jpg" alt="" width="200" height="149" border="0" /></a></div>
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<div>Und<em> Taxi nach Leipzig</em> mit Paul Trimmel, alias Walter Richter, war auch der erste Tatort, heute vor vierzig Jahren. Der Roman stammte von einem gewissen Friedhelm Werremeier. Der hatte gerade angefangen, für die Reihe der <em>rororo thriller </em>zu schreiben. Da hatte Richard K. Flesch, den die ganze Branche <em>Leichenflesch</em> nannte, bei Rowohlt schon ein gutes Händchen gehabt. Wenn Sie <a href="http://loomings-jay.blogspot.com/2010/08/sjowall-wahloo.html">hier</a> hineinschauen, werden Sie sehen, ich wiederhole mich gerade ein wenig. Aber ich will jetzt auf etwas ganz anderes hinaus, nicht auf Sjöwall/Wahlöö und auch nicht auf Richard K. Fleschs Whiskykonsum. Nein, ich meine ein ganz anderes Phänomen, das <em>Der neue deutsche Kriminalroman</em> hieß. So hieß auf jeden Fall 1985 ein Sammelband, in dem die Ergebnisse einer Tagung im Kloster Loccum zusamengetragen waren. Den ich aus unerklärlichen Gründen jetzt nicht im Regal finde. Das ist ärgerlich, weil ich nicht nachgucken kann, was ich damals geschrieben habe.</div>
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<div><a href="http://static.rp-online.de/layout/showbilder/58586-NDR_taxi-nach-leipzig-1970-01.jpg"><img src="http://static.rp-online.de/layout/showbilder/58586-NDR_taxi-nach-leipzig-1970-01.jpg" alt="" width="200" height="163" border="0" /></a></div>
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<div>Wenn wir plötzlich in den sechziger Jahren einen <em>neuen</em> deutschen Kriminalroman hatten, dann heißt das allerdings nicht, dass wir einen alten gehabt hätten. Engländer, Amerikaner und Franzosen haben in diesem Genre eine Tradition, die ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Wir nicht. Es wäre verwegen, eine Entwicklungslinie von Schillers <em>Der Verbrecher aus verlorener Ehre</em>, E.T.A. Hoffmanns <em>Das Fräulein von Scuderi</em>, Fontanes <em>Unterm Birnbaum</em> bis zu Jakob Wassermanns <em>Der Fall Maurizius</em> ziehen zu wollen. Aber jetzt ist der Krimi plötzlich da. Werremeier, Hansjörg Martin, Irene Rodrian, Fred Breinersdorfer, Michael Molsner, Paul Henricks und Horst Bosetzky (der unter dem Pseudonym -ky) schrieb. Und viele andere. Selbst im kommunistischen Bruderstaat, wo man sich zuerst bemühte, einen Damm gegen die <em>westliche Schundliteratur</em> zu errichten, fügte man sich drein und ließ Krimis zu: <em>Nicht länger mehr blieb das Feld dem Gegner überlassen, mit dessen geistiger Rüstung wir uns vertraut machten</em>.</div>
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<div><a href="http://tatort-fans.de/wp-content/uploads/2008/04/001070cq3.jpg"><img src="http://tatort-fans.de/wp-content/uploads/2008/04/001070cq3.jpg" alt="" width="200" height="149" border="0" /></a></div>
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<div>Was den deutschen Krimi der sechziger Jahre auszeichnet, ist eine Hinwendung zu soziologischen Bestandsaufnahme der deutschen Gesellschaft, am prominentesten in den Büchern von -ky. Der zuerst auch noch glaubte, mit seinen Krimis <em>einen &#8211; wenn auch noch so bescheidenen &#8211; Beitrag zur Veränderung unserer Gesellschaft in Richtung auf einen humanistisch-demokratischen Sozialismus zu erbringen</em>. Er musste aber Jahre später, als er sein Thesenpapier <em>Dreizehn Flüche und eine Träne. Die Unmöglichkeit des Sozio-Krimis Über das Elend des bundesdeutschen Krimimachers bis zum kriminalliterarischen Selbstmord</em> veröffentlichte, resignierend feststellen, dass das wohl nicht so ganz funktionierte. Die Formeln der Kriminalliteratur sind nicht zu überwinden, es gibt nur Variationen der erzählerischen Einkleidung.</div>
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<div>Die aber damals, und das haben die Romane von Werremeier, -ky und Co. gezeigt, recht originell ausfallen konnten. Auf jeden Fall origineller als das, was heute im <em>Tatort</em> geboten wird. <em>Taxi nach Leipzig</em> ist da nur eins der Beispiele. Der Film präsentiert uns eine glaubwürdige Hauptfigur (und mit Walter Richter eine überzeugende Verkörperung), auch wenn Simenons Kommissar Maigret (und Jean Gabin) in dieser Figur ein wenig durchscheint. Dazu eine schöne Frau (Renate Schroeter), ein DDR Grenzpolizist (Hans Peter Hallwachs, durch Zadeks Theater in Bremen berühmt geworden) und eine deutsch-deutsche Problematik.</div>
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<div>Der bullige Paul Trimmel war von Anfang an, daran hat Werremeier in Interviews keinen Zweifel gelassen, als Serienfigur konzipiert. Allerdings war der Film <em>Taxi nach Leipzig</em> gedreht, bevor es die<em> Tatort</em> Reihe gab. Es war aber ein geschickter Zug von <em>Tatort</em>-Erfinder Gunther Witte, den als ersten Film der Reihe zu nehmen, nachdem er dem WDR die Idee verkauft hatte:  <em>Das Schreckliche war nur, die wollten es dann sofort! So eine Reihe muss man doch erst einmal entwickeln, das braucht schon so anderthalb Jahre. Aber nein, das sollte gleich losgehen. Und so haben wir alle erst mal Projekte aufgegriffen, die sowieso schon in der Schublade lagen&#8230;Es begann mit „Taxi nach Leipzig“, ein Krimi, der schon fertig entwickelt war. Der wurde sofort umgesetzt. Am peinlichsten war mir, was wir vom WDR als erstes einbrachten. Meine Kriterien waren ja grob: Es muss sich um einen Kommissar drehen, es muss regional und es muss realistisch sein. In unserer Schublade lagen aber Drehbücher mit Kressin. Das war ein Zollfahnder und kein Kommissar, das war ein deutscher Bond und keineswegs eine realistische Polizeifigur. Ich war da auf schlimmste Diskussionen vorbereitet, aber es hat keiner gemault</em>.</div>
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<div>Da sind wir aber dankbar, dass von den Intendanten der ARD keiner gemault hat, und wir so auch Sieghardt Rupp als Kressin bekommen haben. Hat das Genre zweifellos belebt.</div>
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<div><em>Taxi nach Leipzig</em> gibt es als DVD (<em>Kressin stoppt den Nordexpress</em> auch, demnächst wird es noch einen Dreierpack Kressin geben), und es lohnt sich auch heute noch, diesen Film zu sehen. Es lohnt sich natürlich auch, alle Werremeier Romane zu lesen. Die Krimiautoren der sechziger Jahre haben die Türen geöffnet für eine beständige Produktion deutscher Krimis. Sind die wirklich gut? Ich weiß es nicht, aber wenn jemand wie Thea Dorn im Jahre 2000 den Deutschen Krimipreis gewinnt, dann kann das nix sein. Manchmal gibt es was Nettes wie Norbert Klugmann und Peter Matthews&#8217; <em>Beule oder wie man einen Tresor knackt</em> (1984), aber der Rest ist irgendwie Hausmannskost. Da lohnt es sich eher, die Autoren des <em>Neuen deutschen Kriminalromans</em> wieder zu lesen. Und wenn man wirklich gute deutschsprachige Krimis lesen will, dann sollte man doch zu dem Schweizer Friedrich Glauser und seinem Wachtmeister Studer greifen. Dagegen sehen viele neuere Autoren alt aus.</div>
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<div>Deutschsprachige Krimiautoren sind inzwischen organisiert, schauen Sie auf die Seite von dem <a href="http://www.das-syndikat.com/">Syndikat</a>, mehr als 600 deutschsprachige Autoren. Wir sind ein kriminelles Volk. Über alles was neu ist, informiert hervorragend der immer rührige <a href="http://www.krimi-forum.net/Datenbank/Autor/fa000565.html">Thomas Przybilka</a> und die <em><a href="http://www.alligatorpapiere.de/inhalt.html">Alligatorpapiere</a></em>.</div>
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